[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-20

Themen rund um die umfassende Geschichte von World of Warcraft. Diskutiert über Bücher, Helden und sonstigen Geschehnissen die sich in World of Warcraft zugetragen haben.
Evilslyn
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[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-20

Beitrag von Evilslyn » 02.10.2009, 11:20

Ein kleine Story, inspiriert durch die neusten Meldungen über das aufkommen einer neuen Spielbaren Rasse:

Gilneas, Gilneas, ein Name der nur in mancher Spelunke zu fortgeschrittener Stunde noch Erwähnung findet. Die meisten unbescholtenen Bürger Azeroths, wagen den Namen nicht mehr zu nennen; es sei denn um des Nachts ihre Kinder zu ängstigen.
Es heißt, als die dunkle Stunde der Geiselinvasion anbrach, und alle Völker Azeroths zusammen rückten um ihr entgegenzutreten, Gilneas einen anderen Weg wählte.
Durch ihre vorteilhafte Lage auf einer Landzunge leicht zu verteidigen, wählten sie die Schildkröten Taktik.
Sie schufen einen Wall, einen Wall der sie vor aller Unbill schützen sollte. Ein Wall, so groß und mächtig, und durch Magien ihrer besten Magier verstärkt, dass auch die geballte Macht der Geisel, ihn nicht überwinden sollte.
Doch das Schicksal wählte einen Anderen Weg für Gilneas.
Nicht ein einziger Guhl, starb am Gilneaswall, nicht ein Katapult, beschoss ihn je, und nicht einmal ein Dämonenhund setzte dort seine säurehaltige Duftmarke ab. Es schien, als ahne die Geisel, das Gilneas ein anderes Schicksal bevorstand.

Hinter dem Wall in scheinbarer Sicherheit, von einer schlagkräftigen Flotte von der Seeseite her geschützt, ging das Leben in Gilneas seinen gewohnten Gang.
Die Städte und Dörfer lebten in Wohlstand und vermehrten sich prächtig. Doch im dritten Jahr nach "dem großen Torschluss" wie sie es nannten, begannen immer häufiger Bauern über gerissenes Wild zu klagen. Die Tiere waren am Morgen auf den Weiden gefunden worden. Ihre zerfetzten Kehlen und abgenagten Knochen zeigten deutlich, dass die Tiere wohl keine Chance gehabt hatten.
Die anfängliche Panik, Guhle könnten den großen Wall überklettert haben und sich in den nahen Wälder herum treiben, konnte zwar trotz ausgiebiger Suchen nicht bestätigt werden.
Dennoch begann man des Nachts Wachen aufzustellen, um die Weiden zu bewachen.

Einige Wochen blieb es darauf hin ruhig, bis der alte Fahlsted, sich des Nachts blutüberströmt in die Taverne in Grimmgal schleppte. Er war in Grimmgal wohlbekannt. Als aufrichtiger Mann, mit klarem Verstand und hohem Ehrgefühl. Doch was er berichtete, bevor er auf dem Tavernenboden sein Leben aushauchte konnten und wollten die Leute nicht glauben. Erklärten es sich als die Auswüchse eines dahinsiechenden Geistes.
Hätte er von Wölfen gesprochen, von Tollwut, vielleicht sogar von einem rasenden Bären, sie hätten ihm Glauben können; doch ein Wolf, so groß wie ein Mensch?

Die nächsten drei Wochen wurden vermehrt Wachen aufgestellt, und Patrouillien in die Wälder entsandt, doch es tat sich nichts.

Bis Arled, ein Hirtenjunge, von einem Tier gebissen wurde als er des Nachts nachschaute warum die Pferde im Schuppen so in Aufruhr waren. Er berichtete, er habe es gar nicht richtig zu Gesicht bekommen.
Er habe die Scheune betreten, eine Art Knurren vernommen, und als er sich Umwandte, sei etwas gegen in geprallt. Dann erinnere er sich an ein Gefühl als Schlösse sich ein Schraubstock um seinen Arm, ein Schraubstock mit Zähnen. Und bevor er das Bewusstsein verlor, glaubte er in goldene Augen geblickt zu haben. Große goldene Augen.
Was ihn jedoch mehr verwunderte als ihr goldener Schimmer, war die Tatsache das Vertrautheit in diesem Blick lag.

Arled, erholte sich überraschend schnell, von seiner Verletzung. Als am Morgen der Arzt kam, um die Wunde zu versorgen, war nicht einmal mehr ein Verband, geschweige denn eine Naht nötig. Die Wunden hatten sich geschlossen, und Arled, wirkte gefasst. Schon nach zwei Wochen war die Wundhaut vernarbt, und der Biss hätte auch schon Jahre zurückliegen können.

Arled, kümmerte sein Krankheitsverlauf wenig, generell interessierte er sich seit jener Nacht nur noch wenig für seine alten Vorlieben. Dafür genoss er es mehr und mehr die Herden zu bewachen. Nicht wie früher um sie zu hegen und auf sie zu achten. Er konnte einfach Stunden dasitzen, ihren Geruch atmen.
Es war seltsam, aber während er dasaß und einfach nur die Nase in den Wind hielt, konnte er alle Zeit vergessen. Nachts hatte er Schlafstörungen, seine Mutter glaubte es käme wohl von den traumatischen Erlebnissen, die er in jener Nacht erlebt hatte. Doch Arled selbst hatte so seine Zweifel.
Wenn er des Nachts erwachte und schweißgebadet in seinem Bett lag, war es nicht das Wesen mit dem goldenen Blick, von dem er geträumt hatte.
Es war immer der gleich Traum. Ein Traum so verheißungsvoll, so anregend, und doch so banal. Er träumte von der bleichen Scheibe des Mondes, welche sich langsam am Horizont hinter den Bäumen erhob und gen Himmel stieg.
Dann kletterte er immer aus seinem Dachfenster, legte sich aufs Dach und schaute dem Mond zu, der als Sichel über den Himmel glitt, und sehnte sich danach wenn er endlich so voll, und perfekt wie in seinen Träumen wiederkehren würde.
Ein Lächeln kräuselte seine Mundwinkel, dieses Wochenende wäre es so weit.

...to be continued (wenn ihr wollt)

eure Evi
Zuletzt geändert von Evilslyn am 26.10.2009, 12:03, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1

Beitrag von Xerwanthia » 02.10.2009, 17:37

SUPERGEIL!!! Bitte schrieb die Geschichte weiter....kanns kaum erwarten wie es weitergeht!!!!

LG Xerwanthia

Evilslyn
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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 2

Beitrag von Evilslyn » 07.10.2009, 16:52

Hmmm, welches sollte es den nun sein. Das dicke Büschel mit den kurzen Halmen, oder doch eher das Langhalmgras. Da wäre auch noch der Klee, oder die Scharfgarbe, und hier und da sogar ein saftiger Löwenzahn. Sollte sie überhaupt jetzt direkt, oder erst nachher speisen?
Eigentlich bestand ihr ganzer Tag daraus sich diese elementaren Fragen zustellen.
Ab und an, wenn innerlich die Last der Entscheidung zu schwer auf ihrer kleinen Schafseele lastete, reckte sie den Kopf und blökte frustriert. Dann ging sie meist zu dem kleinen Fluss der durch ihr Gatter floss, trank einen Schluck, verrichtete ihre Notdurft, und wenn sie dann zurück kehrte, hatte sie sich zwar nicht für ein „Entweder Oder“ aber immerhin für ein „Erst das und dann das“ entschieden.
Esmeralda lebte wirklich wie die Made im Speck. Sie hatte alles was sich ein Schaf nur wünschen konnte. Alle erdenklichen Arten Grünzeug, einen Baum auf der Weide, der an heißen Tagen Schatten spendete, und besagten kleinen Bachlauf, der immer kühles Nass führte.
Und nicht zuletzt hatte sie Ihren Menschen. Es gab andere Schafe, die mussten sich meist von diesen Vierbeinern, herumscheuchen lassen, „Hunde“ wurden sie von den Menschen genannt. Einfach unerträglich stellte es sich Esmeralda vor, immerzu von diesen sabbernden, kläffenden Viechern bewacht zu werden.
Viele machten den Fehler ihre Position Misszudeuten. Sie nahmen an, Esmeralda wäre eingesperrt, zwischen diesen Planken, sie selbst jedoch hatte früh festgestellt, dass es die Welt war, die von ihrer saftigen Weide fern gehalten wurde.

Nur einer durfte zu ihr auf die Weide, ihr Arled. Na ja und dieser störrische Bock, Edmund, aber nur bis er seine Pflicht getan hatte, dann kam er wieder nach draußen zu den Kötern bis zum nächsten Frühling.
Aber ihr Arled, ach ja, das war schon ein Prachtkerl. Sie erinnerte sich wie sie ihn damals aussuchte. Sie war noch ein Lamm gewesen, und hatte noch mit ihrer Mutter auf eben dieser Weide gestanden, als sie Arled das erste Mal sah.
Er war mit einem Anderen Menschen gekommen ein echter Kanten von einem Mann, welchen er „Dad“ nannte was immer das bedeuten sollte. Eine Mutter schien er nicht zu haben, zumindest hatte Esmeralda sie nie an den Grenze ihres Reichs gesehen.

Aber Arled, ach ja dieser Arled, er hatte gerade so über den Zaun schauen können. Und mit welchen Augen er sie angesehen hatte. Dann hatte ihn sein „Dad“ gepackt und über den Zaun gehoben. Erst standen sie beide wie angewurzelt da, keiner wusste so recht was er vom anderen zu erwarten hatte. Doch dann hatten sie fast gleichzeitig den ersten Schritt getan.
Esmeralda hatte seine ausgestreckte Hand beschnüffelt und darin ein Stück Zucker vorgefunden, seitdem waren sie die besten Freunde. Sie liebte es wenn er ihr Fell zauste, wenn sie zusammen über das saftige Graß sprangen und herum tollten.

Leider war Arled die letzten beiden Wochen nicht erschienen und Esmeralda begann sich langsam sorgen um ihren Menschen zu machen. Zwar war ab und an sein „Dad“ gekommen, und hatte nach Ihr geschaut, allerdings fühlte sich Esmeralda sehr unwohl wenn er erschien. Wo sie ihn bei früheren Treffen nur als unbedeutendes Anhängsel Ihren Arleds, und somit als ungefährlich, betrachtete so umgab ihn nun ein Geruch, der ihr Schauder über den Rücken jagte. Er roch zwar immer noch menschlich, jedoch lag unter diesem Geruch, der dem Arleds ähnelte ein weitere Geruch, ein Geruch der in Ihr nicht die Erinnerung an Menschen wach rief, Gedanken an die Schur, Futter, Pflege. Dieser Geruch rührte ihren Urinstikten, es erinnerte sie an Hatz, an Flucht, an … die Köter.

...to be continued

MfG
eure Evi

Evilslyn
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[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 3

Beitrag von Evilslyn » 07.10.2009, 16:52

Als Arled erwachte, fühlte er sich wie gerädert. Er hatte sich fast die gesammte Nacht auf dem Dach aufgehalten. Langsam began er sich Gedanken über seine Mond obsession zu machen. Zu Anfang hatte er sich nicht gewundert, immerhin befand er sich in einer Phase seines Lebens, in der Vorlieben teilweise täglich wechselten. Doch seine anfängliche Begeisterung für den Mond, war langsam aber sicher eine wahre Sucht geworden. Wenn er in seinem Bett lag, selbst bei geschlossenen Fensterläden, war da doch immer das Wissen das ER da draußen war. Langsam aber sicher seiner vollendeten Form entgegenstreben. Diese Nacht hatte nur noch ein schmaler Streifen gefehlt, und er hätte einen Teil seiner selbst gegeben, hätte er dieses Stück anfügen können. Er hatte den Mond betrachtet bis dieser am Horizon verschwunden war, erst dann war er völlig übermüdet in sein Bett gekrochen.
Doch kaum hatte er die Augen geschloss da rief ihn bereits seine Mutter zum Frühstück.

"Na du keiner Zausel, konntest du schon wieder nicht schlafen?" fragte seine Mutter und warf ihm einen mitleidigen Blick zu.
"Hmm", raunte er und setzte sich an den Tisch. Sein Vater kam die Treppe herunter und rieb sich seinen Bauch der aus seinem offenen Hemd hervorstand.
"Ach da haben wir ja unsere zweite Nachteule,"sagte seine Mutter knapp. "Ich hoffe du hast dich in den zwei Stunden die du Azeroths Wälder fälltest, mehr erholt, als es mir in der restlichen Nacht vergönnt war."
Wenn er ihre Worte überhaupt gehört hatte, reagierte er zumindest nicht darauf. Er ließ sich schwer auf einen Holzschemel neben Arled plumpsen. Mürrisch schaute er unter seinen buschigen Brauen hervor, und überblickte den gedeckten Tisch.
Seine Mutter versuchte erneut ein Gespräch zu beginnen: "Ich habe heute morgen mit dem alten Ergster gesprochen, als er die Gadgezan Gezette vorbei brachte. Keine toten Tiere seit fast vier Wochen. Es wird angenommen, dass welches Tier auch immer in unseren Wäldern für unfrieden sorgte, wohl weiter gezogen ist."
"Hmmm.", war alles das sein Vater erwiederte. "Die Männer des Hauses sind heute aber wieder sehr gesprächig.", stieß seine Mutter hervor. "Naja ich bin dann mal die Wäsche aufhängen, ihr wisst ja wo ihr mich findet." Mit einem Korb voll Wäsche verließ sie das Haus.

"Was glaubst du," die frage seines Vater überraschte Arled, er war gerade völlig in den Anblick des in der Mitte des Tisches liegenden Schinken versunken. "Was meinst du?" "Na die Sache mit dem Tier. Denkst du die Sache ist ausgestanden?" Arled schluckte, die Tatsache das was auch immer da draußen unterwegs war, in Beinahe als Mahlzeit genutzt hätte, hatte er noch immer nicht verwunden. "Tja, ich hoffe es. Aber unsere Hunde werden schon aufpassen." Sie hatten die Hütehunde nicht mehr im Zwinger gelassen, sondern nach dem nächtlichen Besuch bei Nacht frei auf dem Grundstück herumlaufen lassen. Ihren wachsamen Sinnen entging nichts. Arled griff nach nach dem Schinken, als auf dem Weg dorthin plötzlich die Hand seines Vaters sein Handgelenk packte. Arled erschrak, und schaute ihn verwundert an. "Was ist denn, stimmt etwas nicht?" "Ach nein", sagte sein Vater, und schüttelte seinen Kopf. "Ich war nur in Gedanken, und wollte mich gerade bedienen, und als deine Hand plötzlich..., ach egal, bedien dich." Sein Griff lockerte sich um Arleds Handgelenkt.
Arled, nahm sich den Schinken und schnitt sich ein Stück davon ab. Er steckte es sich in die Backe und begann darauf zu kauen. "Ich geh ein wenig nach draußen, oder brauchst du mich?", fragte Arled während er bereits von seinem Schemel aufsprang, und in Richtung Tür unterwegs war. "Ja geh nur, aber halt dich in Hausnähe auf, du weist das ich dem Frieden nicht traue." Arled, lächte ihm nochmals zu und griff nach der Türklinke. "Arled," Arled drehte sich auf der Schwelle nochmals herum. "du bist langsam aber sicher ein Mann. Was würdest du davon halten wenn ich dich heute Abend mit zur Jagd nehmen würde?" Arleds Kinnlade klappte herunter. Bisher war alles was er vom Jagen wusste das was er in Geschichten von Jägern auf dem Dorffest aufgeschnappt hatte, die beim jährlichen Erntefest während ihren Saufgelagen brüsteten schon mancher Fliege das Auge mit Pfeil und Bogen ausgeschossen zu haben. Daraufhin hatte er sich mit seinen Freunden Spielzeugbögen gebastelt, und so mancher Dorfkatze nachgestellt. Zum Glück der Katzen hatten sie weder über einen Bogen mit Spannkraft, noch über Spitzen für ihre Pfeile verfühgt. "Natürlich will ich" "Ok, dann sei zeitig, zurück, ich will aufbrechen bevor es dämmert." "Ich werde da sein," und schon war Arled durch die Tür und mit einem breiten Grinsen auf dem Weg sich die Beine zu vertreten und sich auszumalen was ihn am Abend erwarten würde.

Beim Gedanke an die Nacht, kam ihm ein Käserad in den Sinn, groß und gelb, an dem ein Stück fehlte. Der Mond, war es nicht heute endlich soweit? Würde er nicht heute Nacht endlich in voller Pracht am Himmel stehen? Ein Hochgefühl durchströmte ihn bei dem Gedanken. Er merke wie Schweiß began aus seinen Poren zu treten. Ein Geruch von freudiger Anspannung ging von ihm aus. Er, sein Vater, allein auf der jagd, und über ihnen der Mond. Er konnte es kaum erwarten.

Evilslyn
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[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 4

Beitrag von Evilslyn » 07.10.2009, 16:53

Arleds Gedanken kreisten den gesamten Vormittag um die bevorstehende Jagd. Er fühlte sich durchaus geehrt durch die Einladung seines Vaters. Manchmal glaubte er in seines Vaters Augen für immer der kleine Junge zu bleiben, der des Nachts Angst vor den Schatten hatte und sich vor dem eigenen Echo fürchtete.
Dabei hatte er sich wirklich schon weit vom Knabendasein entfernt, er war groß, fast so groß wie sein Vater. Seine Schultern noch nicht so breit, aber schon jetzt konnte man erahnen, dass dies noch folgen würde. Auf seiner Haut unter der sich drahtige Muskeln spannten, war erste Brustbehaarung gewachsen. Seid Arled die neugierigen Blicke der Mädchen beim letzten Dorffest bemerkt hatte, hegte er diese fast so sorgsam wie die Schafe. Auch in seinem Gesicht waren erste Bartstoppeln gesprossen und Arled konnte es kaum erwarten seinen ersten richtigen Bart zu tragen. Spätestens nach der heutigen Jagd, wäre es endgültig an der Zeit dem Jungendasein Lebewohl zu sagen.
Ein Außenstehender Beobachter der Arled dabei zusah wie er mit einem Stock als Schwert herumfuchtelnd seines Weges ging, hätte da vielleicht Zweifeln angemeldet.

Als Arled von seinem Mittagsausflug zurück kam, die Sonne hatte ihren Höchststand bereits seit einigen Stunden überschritten, war sein Vater bereits dabei die Jagdutensilien zu verstauen. Er packte Proviant für die Nacht, Wasserflaschen, Seile, Feuerstein und Zunderschwamm in seinen großen Jagdrucksack von welchem etliche Kleintierfallen herab baumelten. An seiner Hüft trug er sein langes Jagdmesser, welches sich ebenso zum Zerlegen größerer Beutetiere, wie auch dem Anspitzen von Feuerstöcken eignete.
Arleds Mutter beäugte die Vorgänge skeptisch von ihrem Schaukelstuhl her auf dem sie wie so oft den Mittag verbrachte, und Arleds durchgescheuerte Socken stopfte.

„Flugur, hällst du es wirklich für Klug, Arled ausgerechnet heute mit auf die Jagd zu nehmen? All die Überfälle in letzter Zeit. Sogar in unserem eigenen Stall war diese Bestie. Und nun wollt ihr, zu zweit, mit nur einem Messer und deinem alten Bogen, bei Nacht durch die Wälder streifen?“, seine Mutter schüttelte abwehrend den Kopf.
„Du hast es selbst gesagt Maiiden, die Angriffe liegen bereits über drei Wochen zurück. Sollen wir bis Winterhauch warten bis wir uns wieder nach draußen wagen? Der Winter bietet nicht gerade die besten Vorraussetzungen um die Vorräte aufzustocken.“ „Aber dann lass doch wenigstens den Jungen hier, Flugur. Ich könnte es nicht ertragen wenn ihm etwas zustößt.“, ein verzweifeltes Flehen lag in ihrer Stimme. Sie wusste bereits das Flugurs Entschluss feststand, und ebenso wusste sie, das ihre Angst um ihren Sohn nicht vergehen würde. So war das nun mal, solange man lebt, sorgte man sich. „Hast du alles Arled?“ fragte Flugur, nachdem er seinen Rucksack sorgsam verschnürt hatte. „Pass mir ja gut auf ihn auf“, Maiiden umarmte Flugur innig. „Und du gib auch auf deinen alten Herrn acht.“ Sagte sie zu Arled und fuhr im durch das strubblige Haar.

„Keine Angst Ma, wir können schon auf uns Aufpassen, nicht wahr Dad? Wenn ein wildes Tier unseren Weg kreuzt, bringe ich dir eine seiner Klauen als Andenken mit.“ Arled fuchtelte in seinen imaginären Kampf verstrickt, mit einem kleinen Klappmesser herum das ihm sein Vater vor einigen Jahren geschenkt hatte und das seither sein treuer Begleiter war.
„Da bin ich mir ganz sicher.“ lächelnd schloss ihn seine Mutter in die Arme. Sie drückte ihm einen dicken Schmatz auf die Backe, wünschte ihnen Weidmannsheil und schon waren die beiden unterwegs.

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[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 5

Beitrag von Evilslyn » 07.10.2009, 16:53

Die Nachmittagsluft lag heiß wie eine Decke auf dem Land. Die Blumen leuchteten förmlich im Sonnenschein, umschwärmt von ganzen Staffeln von Hummeln, Bienen und Schmetterlingen die um ihren Honig buhlten. Der Himmel war blau und nur einige Schäfchenwolken zierten ihn. Aus der Ferne grollte wie leiser Donner die Meeresdünung.
Der Geruch des Lebens erfüllte die Luft.
Während Arleds Vater einen strammen Schritt vorlegte, blieb Arled mal zurück um sich etwas genauer anzusehen, mal rannte er voraus. Er hatte sich einen Spazierstock geschnitten, denn er aber durchaus auch als Sonde für Ameisenhaufen oder Tiefenlot benutzte.
Arled hatte, bevor er durch die beunruhigenden Nachrichten der letzten Zeit ans Haus gefesselt war, die Gegend um seinen Wohnsitz erkundet, und kannte sie wie seine Westentasche. Soweit wie diesmal war er jedoch noch nie weg gewesen.
Sie waren erst der alten Waldstraße gefolgt, bis sie an die Brücke über den Bach kamen, der die Mühle Gammgrils Antrieb. Dann folgten sie seinem Lauf Stromauf bis sie die bewaldeten Hügel erreichten, in deren Mitte der Bach seine Quelle hatte. Die Hügel waren für ihre reiche Flora und Fauna bekannt, und bei Jägern seit jeher beliebt.

Für Arled sah, nachdem sie circa eine halbe Stunde durch den Wald liefen, jeder Baum gleich aus. Sein Vater jedoch schien genau zu wissen welchen Pfaden er folgen musste. Nach einer Dreiviertelstunde erreichten die beiden eine kleine Lichtung. Arled hatte einige Spuren der Äste davon getragen, strahlte jedoch über das ganze Gesicht. Hier war es also nun, ein Lichtung, irgendwo im nirgendwo. Eine kleine Höhle war in den Hang gegraben der die Ostseite der Lichtung begrenzte. Der Eingang war mit behauenen Fichtenstämmen verstärkt und verhieß zuverlässigen Schutz vor den Elementen.

Sie legten den Rucksack in die kleine Höhle, und machten sich daran Feuerholz zusammen zu tragen. Der sie umgebende Wald war voll davon, und so kniete Fulgor schon bald über einem Haufen trockenen Holzes, welches dank Feuerstein und Zunderschwamm, prasselnd zu brennen begann.
Um das Lager herum, in etwa fünfzig Schritt Entfernung, stellten sie die Kleintierfallen auf. Arled stellte sich geschickt an, und durfte die letzten fünf Fallen allein erledigen, während sein Vater bereits zum Lagerplatz ging. Als Arled die letzte Falle unter einem Farn, zwischen zwei umgefallenen Baumstämmen befestigt hatte, die kleine Alarmschelle hatte er an einen nahen Busch geklemmt, nickte er und machte sich ebenfalls auf den Rückweg.
Er fand seinen Vater am Feuer sitzend vor. Er schien in Gedanken versunken, und Arled teilte nur kurz mit dass alles erledigt sei, bevor er sich ebenfalls ans Feuer setzte und begann mit seinem Klappmesser ein Stück Holz zu bearbeiten.

„Arled, es gibt da etwas das ich dir sagen muss.“, irgendetwas in Fulgurs Stimme ließ Arled aufhorchen. Arled hatte es schon geahnt. Ein Vater Sohn Ausflug, da schien ein Thema unausweichlich. „Was ist denn? Wenn es um die Bienchen und die Blümchen geht, das kenne ich alles schon“, versicherte Arled mit einem schiefen Grinsen, um seinem Vater, und vor allem sich selbst das peinliche Thema zu ersparen. „Ach ich wünschte es wäre so. Sicher könnte ich dir da Dinge erzählen, die du noch nicht weist.“, über seines Vaters Gesicht huschte ein kurzes Lächeln. Er machte eine Pause, und schien nicht recht zu wissen wie er fortfahren sollte. „Es geht um die Nacht in der du im Stall warst.“ Aus Arleds Unterbewusstsein schossen sofort wieder Bilder und Geräusche in sein Bewusstsein. Das Wiehern der Pferde. Der dunkle Stall, der nur durch das unter dem Dach befindliche Fenster herein scheinende, Mondlicht spärlich erhellt wurde. Dann dieses Knurren, wie es ihm durch Mark und Bein gefahren war. Dann der dumpfe Aufprall von etwas Großem, gefolgt vom brennendem Schmerz der seinen Arm durchfuhr. Dann dieses Augenpaar wir flüssiges Gold. Dann Schwärze.
Arled, schüttelte seinen Kopf wie um die Bilder darin los zu werden. „Ach das, daran denk ich kaum noch.“, er machte eine wegwerfende Bewegung. „Es ist Vergangenheit, und wird wohl nie wieder vorkommen.“ Sein Vater blickte ihn einige Sekunden nachdenklich an.
„Ich wünschte ich könnte dir sagen du hast recht. Bei Leibe das wünschte ich wirklich.“, seine Stimme klang widerwillig. „Arled, was ich dir jetzt sage, wird für dich schwer zu verstehen sein. Aber gib mir eine Chance dir die ganze Geschichte zu erzählen.“
Arleds Aufmerksamkeit war geweckt. Er legte den Stock zur Seite und schaute seinen Vater erwartungsvoll an. „Wie du wünschtest? Glaubst du dieses Ding ist noch in der Nähe? Wie kommst du darauf dass es ausgerechnet wieder zu uns kommen wird? Das ist doch absurd.“, Arled war sich nicht sicher ob er hören wollte was sein Vater zu sagen hatte.
„Als die Geschichte begann die ich dir nun zu berichten habe, dachte ich ähnlich. Hör einfach zu, die Sonne geht bald unter, und mir bleibt nicht allzu viel Zeit meine Geschichte zu beenden. Alles begann vor einem halben Jahr, als ich auf der Rückreise von Gilneas war. Du erinnerst dich sicher. Ich hatte dort einige unserer Felle verkauft…“

Und dann begann er zu berichten. Arled hing an seinen Lippen, und seine Augen wurden größer und größer, je weiter die Geschichte voran schritt. Er berichtet wie er Gilneas am Mittag verlassen hatte, mit dem Plan am Abend Erkswig zu erreichen, ein kleiner Ort, der gerne von Durchreisenden für eine nächtliche Rast genutzt wurde. Er erzählte von dem heftigen Gewitter welches seine Reise verzögerte, und aufgrund dessen er in der Wildnis sein Camp aufschlagen musste. Arled konnte sich noch gut an diese Geschichte erinnern da sein Vater, sie schon einmal erzählt hatte, nämlich um Maiiden zu erklären, warum er mehr Schlamm denn Kleidung in seinem Beutel mitbrachte.
„Aber Dad, diese Geschichte kenne ich doch schon. Was soll daran so wichtig sein?“ Er hatte wieder das Schnitzen aufgenommen. „Es gibt einen Part der Geschichte den ich euch damals verschwieg.“ Flugur machte eine Pause. Er schien um die richtigen Worte zu ringen. „Erinnerst du dich an die Wunde an meinem Bein?“ Arled erinnerte sich. Flugur war in der Nacht beim Austreten eine Böschung hinab gerutscht, und hatte sich an einem vorstehenden Ast, die Hose und einen beträchtlichen Teil seines Beines aufgerissen. Die Wunde war nicht tief nur großflächig, und heilte so schnell, das Arled sie nur als Randnotiz behalten hatte.
„Was wenn ich dir sage das die Wunde nicht von einem Baum stammte? Was wenn ich dir sage das die Wunde nicht nur eine Abschürfung war, sondern eine tiefe Fleischwunde.“ „Unsinn, brach es aus Arled hervor, dann wärst du wohl kaum am nächsten Tage weiter geritten. Und außerdem heilen Fleischwunden viel langsamer.“ „Ach ja, tun sie das?“ Arled folge dem Blick seines Vaters, und endete auf seinem Arm, dem Arm, unter dessen Ärmel sich die bereits fast verblichenen Spuren seiner Bisswunde zu sehen war.

Arleds Gedanken begannen zu rasen. Die Welt schien sich um ihn zu drehen. Da saß er nun. Irgendwo im Nirgendwo. Unter dem vom Abendrot blutrot getünchten Himmel Azeroths, und begann zu begreifen.

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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 6

Beitrag von Evilslyn » 14.10.2009, 09:38

Die letzten Wochen waren für Garbalg und sein Rudel eine harte Zeit gewesen. Der sonst in seinem Revier so üppige Beutebestand war wie vom Erdboden verschluckt. Offenbar wilderte ein fremdes Rudel in seinem Bezirk, und Garbalg war nicht gewillt dies zu dulden. Sie hatten mehrmals die Fährte eines oder mehrere Wölfe verfolgt, welche jedoch nur zum in der Nähe gelegenen Fluss führten um dort unvermittelt zu enden. Diesmal jedoch schien ihnen mehr Glück vergönnt.
Sie waren kurz auf eine Spur gestoßen die relativ frisch schien, und waren ihr gefolgt. Dem Geruch nach handelte es sich um eine kleine Wolfsgruppe die offenbar ein Paar Zweibeiner verfolgte. Diese Wölfe mussten verzweifelt sein, standen doch die Zweibeiner ganz hinten auf ihrer Nahrungs-, und ganz oben auf der „Oh-Man-jetzt-geb-ich-besser-Fersengeld“-Rangliste.
Zu viele seiner Art hatte es das Leben gekostet, dieser Art Beute nachzustellen. Doch verzweifelte Umstände, verlangten verzweifelte Maßnahmen.

Schon nach wenigen Minuten konnten sie den Geruch von Feuer ausmachen. Und wenige Zeit später näherten sie sich einer Lichtung. Die Sonne war gerade am Horizont versunken und die einsetzende Dunkelheit gab ihnen zusätzliche Sicherheit. Garbalg knurrte einige Befehle, worauf hin der Rest seines Rudels im Dickicht verschwand. Obwohl sich nun fünf Wölfe durch das Unterholz schlichen, um auf ihren Positionen rund um die Lichtung zu beziehen, konnte selbst Garbalg sie nicht hören, was ihn mit Stolz erfüllte. Er selbst Schlich ein Stück weiter in den Stauch den er als sein Versteck gewählt hatte. Er konnte von hier die gesamte Lichtung überblicken.

In der Mitte der Lichtung brannte das kleine Feuer, neben dem eine Tasche stand. Aus ihr konnte Garbalg den Geruch von Trockenfleisch riechen. Sein Magen knurrte so heftig, das er schon befürchtete er könne sein Versteck preisgeben. Ein anderer Wolf, oder gar ein Hase, wäre nun Vorgewarnt gewesen. Zu Garbalgsglück, verfügten die Zweibeiner, über ein nicht annähernd so gutes Gehör. Trotzdem duckte er sich noch ein Stück tiefer.
Doch auch wenn ihn der Zweibeiner, welcher offenbar noch ein recht junges Exemplar war ihn gerochen hätte, er hätte ihm nichts tun können, war er doch mit einem Seil an einen nahen Baum gefesselt. Garbalg verstand diese Zweibeiner einfach nicht.

Von dem anderen Rudel, oder dem zweiten Zweibeiner den er erspürt hatte, war nichts zu sehn. Im Hang am gegenüberliegenden Ende der Lichtung gähnte jedoch ein Höhleneingang, aus dem Garbalg Geräusche hören konnte. Wahrscheinlich hatten die Anderen, den Zweibeiner in die Höhle in die Enge getrieben, und bereiteten ihm eben jetzt ein Ende.
Gut. Ein toter Zweibeiner weniger, eine Gefahr weniger.
Wenn sie dann aus der Höhle heraus kämen, mit vollen Bäuchen und träge, würden sie ihr blaues Wunder erleben.

Da stieg erneut der Geruch des Trockenfleischs in seine Nase. Es roch würzig, und lecker. Es roch so verführerisch das Garbalg es förmlich schmecken konnte. Es fast schon auf seiner Zunge spürte.

„DAD!“, erst der Schrei des Jungen riss ihn aus seinen Gedanken, und erst nun bemerkte er, dass er bereits fast die Tasche erreicht hatte, und sich ungeschützt in der Mitte der Lichtung befand. Er fuhr zu dem kleinen Zweibeiner herum und fletschte die Zähne.
Nun war es also vorbei mit dem Überraschungsmoment. Er stieß ein hohes bellen aus, worauf rund um die Lichtung der Rest seines Rudels ihre Verstecke verließ, und in den Feuerschein trat. Er kläffte einen heißeren Befehl an Irmgur, einem weit unter ihm im Rang befindlichen Wolf. Dieser schnappte sich darauf hin die Tasche am Feuer und Verschwand mit ihr im Wald. Er würde es nicht wagen von der Beute zu fressen, bis Garbalg es ihm erlaubte, er wusste alles andere wäre sein Ende. Garbalg und der Rest der Truppe umstanden, den Jungen im Halbkreis. Sie fletschten die Zähne und knurrten.

Garbalg, als das Alphatier würde den Angriff beginnen. Auch wenn der Zweibeiner gefesselt war und wehrlos wirkte, konnte man sich bei einem ihrer Art nie sicher sein. Er zögerte kurz um sicher zu gehen das er nicht einer Täuschung aufsaß oder in eine ihrer Fallen ging. Er war nicht zum Alphatier geworden weil er unbesonnen oder blöde war. Dann duckte er sich, spannte alle Muskeln, und nahm Maß, um dem Zweibeiner an die Kehle zu springen.

Wir zur Bestätigung, für sein Vorhaben den richtigen Moment gewählt zu haben, riss die dünne Wolkendecke auf und tauchte die Nacht in hellen Vollmondschein.

Evilslyn
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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 7

Beitrag von Evilslyn » 14.10.2009, 09:38

Arled wand sich unbehaglich. Die raue Borke des Baumes rieb schmerzhaft an seinem Rücken, und das grobe Hanfseil kratzte auf seiner Haut. Er fühlte sich wie in Trance.
War all das gerade eben wirklich passiert? Oder würde er gleich erwachen, in seinem Bett liegen und die Welt wäre wieder in Ordnung?
Vieles wies darauf hin das sein Vater die Wahrheit gesagt hatte, jedoch weigerte sich ein Teil seines Verstandes es als die Realität anzunehmen.

Worgen! Das waren doch Wesen aus Ammenmärchen. Jedes Kind in Gilneas kannte die Legende von Arugal, dem Erzmagier. Er hatte sich, als die Verzweiflung am größten war, mit Mächten eingelassen die er nicht beherrschen konnte, hieß es. Er hatte Portale in eine Andere Dimension geöffnet, und durch diese die Worgen nach Azeroth gebracht.
Von ihnen erhoffte er sich Rettung, und fand sein Verderben.

Doch in Flugurs Stimme lag so viel Schmerz, soviel bedauern. Er selbst habe nicht an die Worgen geglaubt, bis er sich mit eben einem solchen Auge in Auge wiederfand. Das Schicksal musste es gut mit ihm gemeint haben, denn er konnte das Biest besiegen. Daran hatte aber eher die blinde Mordlust des Wesens ihren Teil getan, als sein kämpferisches Geschickt.
Flugur hatte am Lagerfeuer gesessen, und war dabei eine Figur für Arled zu schnitzen, als die Bestie aus dem Unterholz hervorgebrochen, und mit unmenschlicher Geschwindigkeit über das Feuer hinweg setzend, auf ihn zugestürzt war. Flugur hatte in einem Abwehrreflex seine Klinge gehoben, welche beim Aufprall die Brust des Untiers durchdrungen hatte. Doch auch die klaffende Wunde in seiner Brust, aus der dunkelrotes Herzblut hervor schoss, wie aus einem frisch angezapften Bierfass, konnte den Worgen nicht davon abhalten sich im Todeskampf in Flugurs Bein zu verbeißen. Erst als dieser die Klinge seines Messers direkt zwischen den Spitzen Ohren in die Schädeldecke trieb, welche ein schreckliches Knirschen von sich gab, brachen die Augen und die Kiefer lockerten sich.
Aus der klaffenden Wunde an seinem Bein war viel Blut ausgeströmt, und Flugur der bereits im Krieg üble Verletzungen gesehen hatte, sah sein Ende nahen. Sein letzter Gedanke galt seiner Familie bevor er das Bewusstsein verlor.
Er war mehr als überrascht, als er wieder zu sich kam, in die Baumwipfel blickend in denen über ihm sanft der Wind spielte.
Nicht weit von ihm, noch immer das Messer aus der Schädeldecke ragend, lag sein Angreifer. Jedoch hatte sich seine Erscheinung völlig gewandelt. Dort lag nicht der wandelnde Alptraum der Nacht, was dort in Embryonalhaltung vor im lag, war ein Mann mittleren Alters.

Flugur schilderte wie er den Mann ins Gebüsch gezogen hatte, und mit Zweigen bedeckte. Keiner hätte ihm glauben wenn er in einer fremden Stadt, mit seiner Worgengeschichte angekommen wäre. Für verrückt hätte man ihn erklärt. Für einen Raubmörder gehalten und wohl dafür am nächsten Baum aufgeknüpft.

Er hatte es seiner Frau erzählen wollen, hatte es jedoch immer wieder aufgeschoben. Wie sollte man das auch einem geliebten Menschen beibringen? Außerdem hatte, er außer einiger Vorteile, bisher kaum Veränderungen bemerkt, und dann kam die erste Vollmondnacht.

Er hatte Zeit gewinnen wollen und nochmals alles durch denken bevor er sich Maiiden öffnete, und hatte sich zur Jagd aufgemacht, damals allein.
Und so kam es das er in jener Nacht auf eben dieser Lichtung am Lagerfeuer gesessen und über seine Lage nachgegrübelt hatte. Seine Tat; den seltsamen Stimmungswandel den er in sich bemerkte; die beschleunigte Wundheilung. All das stellte ihn selbst noch soviel Neuland dar. Dann war der Mond am Firmament erschienen, groß golden und vollkommen, soviel konnte er noch sagen. Und das er am nächsten Morgen nackt am Flussufer erwacht war.

Wie Flugur berichtete, war die Totalamnesie nur in der ersten Vollmondnacht aufgetreten, und die Phasen an die er sich am Morgen erinnern konnte, waren von mal zu mal länger geworden. Offenbar musste sich das Hirn erst an die Veränderungen gewöhnen, da die Wahrnehmung zu diesen Zeiten, fast nichts mehr mit der eines Menschen gemein hatte. Oder zumindest nur noch die maximal die Hälfte seiner selbst bestimmte.
Auch die Wut, den Hunger und die Wildheit zu kontrollieren, bedurfte ihn einiger Übung, wie er berichtete, und aus eben diesem Grund, hielt er es für das beste Arled zu fixieren.

Arleds Gedanken rasten. Würde er sich wirklich in kürze verwandeln? Würde er morgen eventuell erwachen und sich daran erinnern, als wildes Tier durch den Wald gehetzt zu sein. Ein Reh oder gar eine Tier von einer Weide angefallen zu haben? Oder noch schlimmer, vielleicht einen Menschen. Arled schüttelte sich beim Gedanken daran rohes Fleisch von Knochen zu nagen.
Er dankte seinem Vater innerlich, dass er ihn hierher gebracht hatte. Er hätte es sich nie verziehen wäre seine Mutter oder einem der Tier durch ihn Leid zugestoßen.

Nachdem er ihn auf gekonnte Art angebunden hatte, war sein Vater in die kleine Höhle gegangen, um dort sein Messer die Klamotten und restlichen Utensilien zu verstauen. Sie würden sie in dieser Nacht sicher nicht benötigen.
Da Arled völlig darauf fixiert war, sich vor seinem inneren Auge die schlimmsten Zukunftsvisionen auszumalen, bemerkte er den Wolf erst, als er die Lichtung schon zur Hälfte überquert hatte.
Es handelte sich um ein sehr großes Exemplar. Seine Flanken waren eingefallen, was auf eine schwere Zeit schließen lies, was die Futtersuche anging, sein schwarzes Fell sah jedoch gesund aus und glänzte.
Die Augen des Wolfes waren auf die Tasche fixiert, welche sein Vater am Lagerfeuer hatte liegen lassen, nachdem er ihr das Seil entnommen hatte.
Die Nase des Wolfes zuckte heftig, und es schien fast als ginge die Nase zur Tasche, und zieh den Rest des Tieres unwillkürlich hinter sich her.

Arled war so perplex das er für zwei Sekunden nur starren konnte. Dann rief er laut nach seinem Vater.
Keine gute Idee.
Der Wolf der noch eben nur für die Tasche Interesse gezeigt hatte, fuhr zu Arled herum, lies ein gutturales Knurren ertönen und fletschte seine Zähne. Und was für Zähne, wie Dolch strahlten die langen Eckzähne im fahlen Licht. Arled schluckte schwer, noch eben hatte er Angst sich in einen Wolf zu verwandeln, und nun schien es er werde es wohl nur zur Wolfmahlzeit bringen.

Der große Wolf stieß ein heißeres Bellen aus, worauf der Rand der Lichtung in Bewegung geriet. Fünf weitere Wölfe traten aus dem nahen Unterholz.
Auf ein weiteres bellen hin, preschte einer von ihnen aus Feuer, schnappte nach der Tasche und verschwand mit ihr im Unterholz. Er war ein gutes Stück kleiner als der große Schwarze, sein Gang hatte linkisch gewirkt und auch sein Fell war eher stumpf. Arled ging davon aus, dass er wohl einen niederen Rang im Rudel einnahm, und nicht an der Hauptbeute beteiligt würde. Und diese Hauptbeute würde wohl er selbst sein.

Im Halbkreis kamen sie auf ihn zu. Die Köpfe gesenkt. Die Gesichter zu grimmigen Fratzen verzogen, die Zähne drohend entblöst. Arled sah nur noch Zähne.
Wo blieb nur sein Vater so lange? Hatte er ihn denn nicht rufen gehört?
Der große Schwarze stand nun keine drei Meter mehr von ihm entfernt. Arled nahm alles in Zeitlupe wahr. Sah die dünnen Speichelfäden die sich zwischen den Zähnen spannten. Sah die jedes einzelne Härchen, sah das Spiel der Muskeln als er zum Sprung ansetzte. Sekunden wurden zu Stunden, er schloss die Augen, drehte den Kopf weg, und bot seinem Angreifer die ungeschützte Kehle dar. Wenn er schon auf diese Art sterben musste, dann hoffentlich wenigstens schnell.

Garbalg fühlte ich prächtig. Heute war sein Glückstag. Erst hatte er die Fährte des wildernden Rudels verfolgt, die ausnahmsweise einmal nicht ins Leere führte. Dann hatten sie die Tasche mit all den Köstlichkeiten erbeutet, die ihm seine Nase prophezeit hatte. Und nun würde er auch noch diesen Zweibeiner zur Strecke bringen, bevor er sich mit den fremden Wölfen befassen, und ein für alle mal klar stellen würde wer hier der Herr im Revier war.
Wenn man sich bei den Zweibeinern auf die Körpersprache verlassen konnte, bettelte dieser bereits um Gnade, wie ein Welpe entblößte er seine empfindlichste Stelle, seine Kehle.
Doch es war ein Zweibeiner war kein Welpe, und wenn er auf Garbalgs Milde hoffte, so hoffte er vergebens. Garbalg spannte seine Muskeln zum Sprung als hinter ihm ein Knurren ertönte das so tief war, und so böse Klang das Garbalg alle Gedanken vergaß, und mit einem Schreckensjaulen herum fuhr.

Evilslyn
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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 8

Beitrag von Evilslyn » 14.10.2009, 09:39

Flugurs Unterkiefer schob sich nach vorne, und Arled konnte deutlich sehen, wie seine Zähne an Länge gewannen. Die obere Hälfte seines Gesichts, verformte sich ebenfalls in die charakteristische Wolfsschnauze. Arled, sah das Feuer des Mondes in seinen Augen. Während sich seine Ohren zu spitzen sich hin und her bewegenden Lauschern wurden, und sich über seine Backen rasend schnell Kotletten ausbreiteten, warf er den Kopf in den Nacken und stieß einen lang gezogenes Heulen aus.
Arled konnte hören wie Flugurs Rippen brachen, bevor sie sich in seinem Brustkorb neu anordneten. Unter der muskulösen Bauchdecke konnte Arled das Schauspiel unschwer erkennen.
Einen weiteren Heuler ausstoßend streckte Flugur seine Arme zur Seite aus, die Hände krampfartig verkrümmt. Seine Finger wurden Länger, und seine Fingernägel, eben noch die eines Farmers, abgenutzt, und verschrammt, erwuchsen zu langen widerstandsfähigen Klauen.
Flugurs Schultern, für einen Menschen ohnehin schon gewaltig, legten nochmals einige Zentimeter zu, als die Muskeln an Flugurs Körper zu wachsen begannen. Rücken und Schultern überzog nun eine dichte Haarschicht. Am Bauch zog sich der Haarbewuchs, vom Solarplexus, bis zum Hosenbund.
Während der Torso die Beine und Arme, bis auf den Muskelzuwachs noch menschlich wirkten saß auf seinem Hals nun ein Wolfsschädel. Die Hände waren zu Pranken geworden, wie geschaffen um damit klaffende Wunden zu reißen. Seine Füße, ebenfalls Fell bewachsen und mit Klauen verstehen, boten ihm sicheren Halt im Gelände und würden ihm rasende Geschwindigkeit ermöglichen.

Nachdem die Verwandlung abgeschlossen war, duckte er sich sprungbereit. Den Kopf gesenkt, die Zähne entblößt, funkelte er die Wölfe aus mondgoldenen Augen an. Ein tiefes Knurren unterstrich seine Kampfbereitschaft.
Unschlüssig umstand ihn das Rudel. Der große Schwarze, der beim ersten lauten Grollen Flugurs noch erschrocken und mit eingeklemmtem Schwanz herum gefahren war, schien sich wieder gefangen zu haben. Den Schwanz nicht mehr eingeklemmt, sondern dick und buschigen gerade nach Hinten ausgestreckt. Den Nackenpelz zu einem drohenden Kamm aufgestellt, und ebenfalls den Kopf gesenkt stellte er sich Flugur entgegen.
Die restlichen Wölfe bildeten um ihn einen Halbkreis, drohten mit zurück gelegten Ohren, zeigten ihre Zähne, machten jedoch keine anstallten ihn anzugreifen. Arled beobachtete alles mit angehaltenem Atem. Ihm war klar, sollte es seinem Vater nicht gelingen das Rudel zu vertreiben, wären ihrer beider Tage gezählt.

Flugur und der Schwarze, standen sich Auge in Auge gegenüber. Keiner der beiden wollte den ersten Schritt machen. Sie fletschten die Zähne und Knurrten. Die Zeit schien still zu stehen. Unvermittelte schnellte der schwarze nach Vorne. Seine Gestallt verschwamm vor Arleds Augen, so schnell schoss er auf Flugur zu, das Maul weit aufgerissen.
Mit tödlicher Präzision und Geschwindigkeit, holte Flugur aus, und traf den Schwarzen im Flug mit der Rückseite seiner Pranke an der Schulter. Beim Aufprall ertönte ein Geräusch wie Arled es vom Teppich klopfen her kannte, zumindest hätte es sicher so geklungen, wäre der Teppich mit Fleisch gefüllt und der Teppichklopfer ein Dreschflegel gewesen. Die Flugbahn des Schwarzen änderte sich umgehend. Statt weiter auf Flugur, flog er, ein ersticktes Japsen von sich gebend, im hohen Bogen quer über die Lichtung und landete in einem Busch.

Die restlichen Wölfe wichen einen Schritt zurück. Ein brauner Wolf mittlerer Größe fing sich zuerst. Er stieß ein Kläffen aus, woraufhin auch die anderen wieder Mut zu fassen schienen. Die beiden äußeren bewegten sich seitwärts um Flugurs Flanken, im bemühen hinter ihn zu kommen. Flugurs Kopf flog hin und her um den Überblick zu behalten. Flugur schien alles unter Kontrolle zu haben. Da er die Höhlenöffnung im Rücken hatte, konnten die Wölfe ihn nicht ganz umringen. Sie schienen ihre Chancen abzuwägen und keiner griff an. Da plötzlich raschelte das Gebüsch oberhalb der Höhle und ein grauer Schemen katapultierte sich auf Flugur zu. Arled hatte den Wolf der die Tasche geraubt hatte komplett vergessen. Er traf Flugurs Rücken, und verbiss sich in dessen Nacken. Flugur strauchelte, fand jedoch sein Gleichgewicht wieder bevor er stürzte. Eine seiner Pranken griff nach hinten und schnappte den Angreifer an dessen Rücken, und schleuderte ihn nach vorn, wo er schwer auf dem Boden aufschlug.
Der Braune Wolf nutze die kurze Ablenkung um seinerseits einen Angriff auf Flugur zu starten. Gerade als dieser sich wieder zu orientieren suchte.
Schwer prallte er gegen Flugurs Brust und beide gingen zu Boden. Umgehend sprangen die anderen Wölfe hinzu und attackierten Flugur ihrerseits. Als knurrendes, beißendes Knäule rollten sie herum. Schaffe es Flugur einen seiner Angreifer wegzuschleudern, sprang er sofort wieder ins Getümmel. Es war ihm nur mit Mühe möglich seine lebenswichtigen Stellen vor den reisenden Fängen zu schützen. An Armen und Beinen zog er sich bei der Verteidigung klaffende Wunden zu.
Aber auch die Wölfe zahlten einen hohen Blutzoll. Der Graue war nachdem er auf den Boden geprallt war, nicht wieder aufgestanden. Blut sickerte aus seiner Nase. Flugurs Klauen hatten auch an den anderen Wölfen üble Spuren hinterlassen, was deren Kampf aber eher anfachte, statt ihn zu beenden.

Arled war sich nicht sicher wie der Kampf enden würde, nicht bis er sah wie der große Schwarze wieder aus dem Dickicht hervor kam. Er wäre sicherlich das Zünglein an der Waage. Er schien durch den voran gegangenen Treffer nur kurz ausgeschaltet gewesen zu sein, bewegte sich aber nun wieder mit der alten Eleganz.
Arled schrie Flugur zu, doch dieser war vollauf mit seinen Angreifern beschäftigt. Arled fragte sich ohnehin wie viel von seinem Vater gerade wohl in diesem Wesen anwesend war.

Der Schwarze näherte sich für Flugur aus dem toten Winkel. Wenn er ihn Anspringen, und im Nacken packen könnte, wäre der Kampf gewonnen, Flugur und Arled verloren.
Arleds Gedanken rasten. Er musste etwas tun. Er wand sich verzweifelt und versuchte seine Fesseln zu lösen. Vergebens, das Seil hielt stand, und Flugurs Knoten war unverrückbar.
Arled trat Schweiß auf die Stirn. Er spannte erneut seine Muskeln an, warf sich von links nach rechts. Die Borke schrammte seinen Rücken auf, das Seil schnitt in seine Arme, doch er konnte sich einfach nicht befreien.

Da plötzlich kam Arled eine Idee. Er war so von den Vorkommnissen abgelenkt gewesen, war vom Kampf so in den Bann gezogen, dass er eine Sache völlig vergessen hatte. Er wandte den Kopf zur Seite, legte ihn soweit es ging in den Nacken, und suchte den Himmel ab. Irgendwo in seinem Rücken musste er doch sein. Doch da waren nur Wolken. Er warf den Kopf in die andere Richtung und da war er. Der Mond, vollkommen rund, und golden schimmerte er zwischen den Wolken hindurch.

Arled war im Bann. Er starrte auf die güldene Scheibe, vergaß für einen Moment den Kampf, vergaß wo er stand. Er sah nur noch den Mond. Und dann war er nicht mehr da.
Nicht mehr auf der Lichtung. Er stand auf Moos bewachsner Lichtung, umgeben von Finsternis. Vor seinen Füßen war ein Teich dessen Wasser silbrig Glänzte. Über ihm am Himmel stand der Mond. Keine Sterne, keine Wolken, einzig und allein der Mond. Dieser schien plötzlich flüssig zu werden, und kam als goldener Tropfen auf ihn zugestürzt.
Arled stand da und schaute verzückt auf. Seine Augen waren aufgerissen, sein Mund stand offen. Er sah aus wie ein Kind das zum ersten Mal den Winterhauchbaum betrachtete.
Je näher der Tropfen kam, desto kleiner wurde er. Teilte sich schließlich in drei Tropfen auf die direkt auf ihn zu fielen. Je einer der Tropfen traf in seine Augen. Die Iris schien den Tropfen aufzusaugen und färbte sich golden. Der dritte Tropfen landete auf seiner Stirn.
In seinem Kopf erdröhnte ein Laut als wäre ein Gong geschlagen worden. In Wellen breitete sich das Gefühl durch Arleds gesamten Körper aus, der mitzuschwingen schien.
Arleds Blick richtete sich wieder auf den kleinen Tümpel vor dem er stand. Er konnte sein Spiegelbild erblicken, halb nur das seine, überlagert von einer Wolfsgestallt, ähnlich derer zu der sich sein Vater verwandelt hatte. Ein Geräusch ließ ihn aufblicken, und er erstarrte erneut, so wie er es beim Anblick des Mondes getan hatte.
Vor ihm, auf der anderen Seite des Sees stand eine Frau. Eine wunderschöne Frau.
Ihr Haar schimmerte wie der Mond selbst. Ihre Augen groß und gütig, waren wie unergründliche Brunnen, und schienen Arled direkt in die Seele zu blicken. Sie war in ein weißes Kleid gehüllt, welches ihren Körper umwehte. Es gab den Blick auf ihr Dekoltee frei in dessen Mitte an einer Kette ein kleiner Tränenförmiger Stein hing, in dessen innern ein Licht zu pulsieren schien. Ihre Arme zierte auf jeder Seite ein Armreif, der eine schien aus Gold der andere aus Silber gefertigt. Ihre Haut war hell wie Arled es noch bei keiner Frau zuvor gesehen hatte.

„Sei gegrüßt mein Kind.“ ihre Stimme klang wie Musik in Arleds Ohren. „Wer seid ihr?“ Arled kostete die Frage mühe, da sein Mund völlig trocken war. „Es ist nicht der richtige Augenblick für Antworten. Du musst dem Rudel dienen. Dein Vater braucht Hilfe.“ In den Ecken von Arleds Verstand dämmerte die Erinnerung an die Lichtung, die Wölfe, seinen Vater. Jedoch würde es heißen, dass er von hier weg müsse und es wiederstrebte ihm. Er fühlte wie der Ort langsam davon driftete, oder war er es selbst? Er konnte es nicht mir letzter Gewissheit sagen. Doch er kämpfte dagegen an. Arleds Kehle entfuhr ein unwilliges Knurren. „Spar dir deine Kraft, du wirst sie gleich brauchen. Hab keine Angst, wir werden uns wieder sehen.“ Die strahlende Gestallt streckte ihre Hand nach Arled aus, und berührte sanft seine Brust.

Arled umfing Dunkelheit.

Evilslyn
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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 9

Beitrag von Evilslyn » 14.10.2009, 09:39

Leise dahin plätscherndes Wasser weckte Arled. Eine sanfte Brise strich über seine Haut, deren Kühle in angenehmen Kontrast zur Wärme der Sonne stand.
Dass beständige Summe allerlei Insekten, erfüllte die Luft. Nicht weit entfernt konnte er einen Specht hören, dessen beherzte Schnabelhiebe weit durch die Luft schallten.
Er fühlte sich entspannt, und schwebte in einer Blase seligen Halbschlafs dahin.
An seine Träume konnte er sich nicht erinnern, doch es mussten angenehme gefolgt sein, nachdem er zu Beginn von seinem Vater geträumt hatte, der sich in einen Worgen verwandelt und gegen ein Rudel Wölfe gekämpft hatte.
Manchmal träumte man schon üblen Unsinn.
Er lächelte und drehte sich auf die andere Seite um sich noch eine weitere Mütze Schlaf zu gönnen ehe er aufstand. Es ging eben nichts über eine Nacht im eigenen Bet…

Er riss die Augen auf und starrte in den azurblauen Himmel.
Die Geschehnisse der vergangenen Nacht prasselten wieder in sein Bewusstsein.
Es war also kein Traum gewesen, sein Vater hatte wirklich gegen Wölfe gekämpft. Und ebenso hatte er sich in einen Worgen verwandelt. Einen Worgen, so etwas gab es doch nur in Geschichten! Aber selbst in den wildesten dieser kamen Wesen wie diese nicht gerade aus Gegend wie der seinen, und schon gar nicht aus seiner Familie.

Arled richtete seinen Oberkörper auf, stützte sich auf seine Ellenbogen und schaute sich um.
Er lag am Ufer des Flusses welchem sie am Tag zuvor gefolgt waren; völlig nackt. Wo mochten nur seine Sachen sein?
Die Sonne stand noch nicht ganz im Zenit. Arled fragte sich wie lang er wohl schlafend hier gelegen hatte. Komischer weise hatte ihn sein Vater gar nicht geweckt.

Arled erfasste Panik. Wo, war sein Vater überhaupt? Er fand ihn hinter sich liegend, schlafend. Seltsamer weise war auch er komplett nackt. Bilder der vergangenen Nacht kamen aus Arleds Unterbewusstsein nach oben, und füllten seinen Geist mit Allerlei Bilder.
Sein Vater wie er vor der Höhle gekniet hatte. Wie er angefangen hatte sich zu verändern.
Auszüge aus dem erbitterten Kampf zwischen Flugur und seinen Angreifern. Und dann war da das Bild einer wunderschönen Frau. Nur für den Bruchteil einer Sekunde, mit Haut so weiß wie Milch, und Augen so tief und schwarz wie der Nachthimmel selbst.

Arled bemühte sich die Erinnerung zu festigen, doch ihr Bild zerfloss vor seinem inneren Auge wie Wachs. Dann brach seine Erinnerung ab.

Flugur erwachte schien auch erwacht, denn er hatte die Augen geöffnet. Mit einem schwerfälligen Seufzer setzte er sich auf und blickte Arled erwartungsvoll an.
„Gute Morgen mein kleiner Wildfang,“ er schenkte Arled ein kurzes Lächeln, „Na dann erzähl mal. An was kannst du dich noch erinnern?“

Evilslyn
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[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 10

Beitrag von Evilslyn » 14.10.2009, 09:40

Arled war deprimiert.
So gern er seinem Vater berichtet hätte, er konnte es nicht. Seine Erinnerung schien ihm wie Sand durch die Finger zu gleiten.
Trotzig schritt er hinter ihm her.
Dieser hatte sich kurz umgesehen, und hatte sich dann in jene Richtung in Bewegung gesetzt, in der ihr Lager liegen musste.
Sie gaben ein ulkiges Bild ab, während sie völlig nackt auf den Waldrand zustapften. Arled, versunken in seine Gedanken, bemerkte dies jedoch nicht.

Sie trafen auf keine Menschenseele was Erklärungen erfreulicher Weise unnötig machte. Auf der Lichtung angekommen, holte Flugur seinen Rucksack aus der Höhle und förderte je eine Kleidungsganitur für sich sowie für Arled zu tage.
Während Arled sich anzog lies er seinen Blick umher wandern. Noch deutlich waren die Spuren des Vorabends zu erkennen.
Ein dunkler Fleck kennzeichnete die Stelle an der Flugur mit den Wölfen gerungen hatte. Am Fuß des Baums an welchen Arled gefesselt war, lag noch das Seil. Seine Enden waren rau, was zeigte dass sie gerissen und nicht mit einem Messer durchtrennt worden waren.
Wie aus dichtem Neben trieben Erinnerungsfetzen in Arleds Bewusstsein. Bilder blitzten vor seinem inneren Auge auf, um kurz darauf wieder zu verschwinden.

Nachdem sie alles eingepackt hatten, machten sie sich auf den Weg zurück zu ihrem Hof.
Sie hatten den Wald gerade erst verlassen und hielten auf den Fluss zu, als hinter ihnen ein Bellen zu hören war. Arleds Herz setzte einen Schlag aus als er sich umwandte.
Am Waldrand war das Rudel Wölfe vom Vorabend erschienen.
Der große Graue hinkte zwar leicht, schien ansonsten aber in guter Verfassung.
Arleds Blick huschte schutzsuchend über die Umgebung doch sie waren mitten auf freiem Feld. Kein Baum, keine Höhle, kein gar nichts.

Arled holte sein kleines Schnitzmesser hervor und hielt es fest umklammert. Wenn es zum Kampf käme, würde er seine Haut teuer verkaufen.
Arled schaute zu Flugur als dieser mit leichtem aber bestimmtem Druck die messerführende Hand nach unten drückte.
Flugur schien ruhig.
Und als Arled seinen Blick wieder den Wölfe zuwandte, erkannte er auch warum.

Die Wölfe verharrten noch immer an der gleichen Stelle. Sie machten keinerlei Anstallten zum Kampf überzugehen.
Statt dessen senkten sie die Köpfe wie zum Gruß, bevor sie alle gleichzeitig ihre Köpfe in den Nacken warfen und ein langgezogenes Heulen ausstießen.
Kaum war dieses verklungen, verschwanden sie einer nach dem anderen im Wald.

"Was war das denn jetzt?", stieß Arled hervor.
"Sieht so aus als hättest du Eindruck gemacht." entgegnete Flugur.
"Aber ich war doch angebunden. Du hast gegen sie gekämpft" Arled war verwirrt. Arleds Erinnerung durchzuckten Bilder des sich auf dem Boden windenden Knäul aus Wolf und Worgenkörper im flackernden Feuerschein.
"Es war nicht ich der diesen Kampf entschied. Sie hatten mich bereits am Boden, und ohne dich, hätte es ein anderes Ende genommen."
Arled konnte hören das es sein Vater ernst meinte, konnte es aber nicht recht glauben.
Er wünschte er könnte sich erinnern.
"Was ist denn passiert?"
"Es ist nicht der richtige Zeitpunkt und nicht der richtige Weg wenn ich es dir erzähle. Deine Erinnerung wird schon wiederkehren. Bis dahin musst du dich einfach in Gedult üben."
In Flugurs Stimme lag eiserne Entschlossenheit, und Arled wusste das es keinen Sinn hätte weiter auf ihn mit Fragen einzudringen. Sein Entschluss, Arled nicht in dieser Sache zu informieren, stand fest.

Auf dem Rückweg schoss Flugur mit seinem Bogen zwei Hasen, um nicht mit leeren Hände zurück zu kehren.
Maiiden war zwar nicht begeistert, aber besser als nichts.

Die folgenden Wochen verstrichen wie im Flug.
Arled sprach Flugur nicht auf die Nacht an, und auch Flugur kam nicht von sich aus auf das Thema zu sprechen.
Der Mond wechselte in seinen Phasen, und während seinem Weg zum Neumond, schlief Arled so gut wie schon Wochen nicht mehr.
Nach der mondlosen Nacht jedoch, als er jede Nacht zunahm, mehrten sich wieder die Nächte die Arled auf dem Dach zubrachte.
Die Vollmondnacht führchtend und doch genauso herbei sehnend.

Arled schwamm in einem See aus weißem Licht.
Über ihm wölbte sich ein Firmament aus absoluter Dunkelheit.
Sein Innerstes war erfüllt von einem Zufriedenheitsgefühl wie er es noch nie gefühlt hatte. Wie eine Decke erstickte es auch
die gierig flackernde Flamme der Hektig die in ihm aufsteigen wollte.
Immerhin hatte er keine Ahung wie er hier her gekommen war.
Er versuchte sich aufzusetzen, und schaute sich um.
Soweit sein Auge reichte breitete sich die Weiße Fläche aus.
Kein Geräusch war zu vernehmen.

Doch Arleds Blick hatte etwas ausgemacht was seine volle Aufmerksamkeit auf sich zog.
Es war weder auf der weißen Fläche noch in der schwärze des Sternlosen Himmels zu finden.
Es waren seine eigenen Füße. Oder zumindest waren es einmal Füße gewesen. Nun befanden sich dort gewaltige Pranken welche jeweils fünf gebogende Krallen aufwiesen.
Sie gingen über in muskulöse Waden und von dort zu drahtigen Oberschenkeln.
Ungläubig legte Arled seine Hand auf das Bein, wie um zu prüfen ob es wirklich sein eigenes war.

Es war sein eigenes, er konnte die Berühung am Bein sowie das Bein an seiner Hand spüren.
Allerdings hatte seine Hand, auch nichts mehr mit seiner Hand gemein wie er sie kannte.
Sein Fingerglieder waren mindestens Doppelt so lang wie normal. Auch sie endeten in Klauen. Fellbezogene muskelbepackte Arme führten sie.
Arled schaute entgeistert auf seine Gliedmaße.

Er fühlte sich ganz normal. Der Körper fühlte sich genauso vertraut an wie sein Eigener. Nunja im Grunde war es ja auch sein eigener.
Langsam führte er sein Hände an den Kopf.
Die hin und her zuckenden Wolfsohren waren das erste was er berührte.
Dann die schmalen Wangen, an den langgezogenen Kiefern entlang bis zu der Spitze seiner Nase.
Mit seiner Zunge fuhr er sich über seine Zähne.
Sie waren gewaltig. Nicht nur im Größenvergleich mit seinen eigenen, sondern auch von der Schärfe her.

Eine sanfte Berührung an seiner Schulter ließ ihn herum fahren.

Evilslyn
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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 11

Beitrag von Evilslyn » 21.10.2009, 10:11

Arled wirbelte herum und seine Pranke schoss nach vorne.
Bevor er noch feststellte wem er sich gegenüber sah, schossen mit tödlicher Sicherheit seine langen Finger nach vorn und umschlossen Ihre Kehle.
Ein tiefes Grollen entfuhr ihm, während sich in seinem Geist brodelnd die Mordlust regte.
Wie schäumende Gischt durchwogte sie ihn. In einer Intensität wie er sie noch nie gekannt hatte.
Und erstarb.

Er starte tief in ihre Augen.
Ihr Blick schien ihm vertraut, als ob sie ihn schon sein Leben lang kenne, und vielleicht schon länger.
Ihr wehendes Gewand und ihre Haut hoben sich kaum vor dem leuchtenden Untergrund ab, so hell war sie. Vor dem dunklen Firmamet schien sie fast zu leuchten.
Wärme schien förmlich von ihr, in ihn hinein zu sickern.
Fegte seine Wut hinweg, und hinterlies nur Frieden, der ihn bis zum zerplatzen zu füllen schien.
Ihr fast hüftlanges Haar, umwehte sie in einer leichten Briese, die Arled aber nicht spüren konnte.

Sein Blick folge den weichen Linien ihres Gesichts, und glitt langsam tiefer.
Plötzlich bemerkte Arled, dass seine Hand noch immer um ihre Kehle lag.
Entsetzt riss er dich Hand zurück. Er fühlte sich schlecht.
Wie konnte er es wagen Hand an sie zu legen. Wie konnte er sich so vergessen.
Er hatte keine Ahung wer sie war, auch wenn sie ihm seltsam vertraut schien.
Irgendwo hatte er sie schoneinmal gesehen.

Um ihren Hals lag eine Kette die aus ihrem Innern leuchtete. An ihren Armen trug sie zwei filigrane Armreifen. Einen aus Gold, den anderen aus Silber.
Sie hob ihre Rechts Hand und legte sie auf Arleds Wange.
Arled war wie elektrisiert. Er war bereit alles für sie zu tun. Sie musste es nur sagen.

"Ich weiß, ich weiß.", ihre Stimme klang wie eine Melodie in seinen Ohren. "Du wirst mich zufrieden stellen. Das ist deine Bestimmung. Und du wirst deine Sache gut machen."
Arleds Körper durchfloss das Wohlbefinden wie Honig.
Hier bei ihr zu stehen.
Ihr zu lauschen.
Von ihr berührt zu werden.
Mehr brauchte er nicht.
"Du kannst nicht hier bleiben. Eines Tages wirst du zu mir kommen. Doch erst wenn deine Aufgaben erfüllt sind. Es gibt noch viel für dich zu tun. Hör mir jetzt gut zu"
Arleds Ohren richteten, falls das überhaupt noch möglich war, noch mehr auf sie aus.
Sie erfüllte all seine Sinne.
"Hinter dem Wall im Osten, regt sich etwas. Und diesmal reicht es nicht es hier auszusitzen."
"Aber der Wall gibt uns Schutz. Seit Jahren hat ihn niemand mehr über oder durchque..." Arled war so voller Eifer ihr zu gefallen, dass er einfach so herausplatzte.
Ihre Reaktion war vernichtend.

Nicht das sie verschwunden wäre, so plötzlich wie sie kam.
Nicht das sie ihn angefahren hätte.
Nein, sie lies ihn reden.
Runzelte aber ganz leicht die Stirn um ihr Missfallen zu äußern, und Arleds Herz schien zu brechen.
Mit einem leisen Winseln brach er mitten im Satz ab.

Mit ihrem Lächeln kehrte auch seine Hochstimmung zurück. Nun war er ganz Ohr.
"Meine Schwester wird bedroht. Große Mächte regen sich. Du wirst dich darum kümmern müssen."

Arleds Sichtfeld verwamm und wurde von einer Flut von Bildern, Gerüchen und Geräuschen überflutet.
Wie im Vogelflug flog er über das Land. Immer weiter gen Osten. Flog über ein grünes Tal, umgeben von Berghängen. Beim Annähern zeichneten sich Spuren von Bearbeitung an einem der Hänge ab.
Ein großes Tor, prangte in der Felswand.
Ein Flügel stand offen. Allerlei Leben spielte sich vor dem Tor ab. Rote Drachenwelpen flatterten umher, und verkohlten mit ihrem Atem die Botanik. Arled hatte noch kurz Zeit zu bemerken das die Augen der Drachen, völlig schwarz waren, wie Obsidiangestein, dann durchflog er auch schon das Tor.
Raste durch gewaltige Hallen. Vorbei an Überlebensgroßen Statuen, von dicken Männern, mit großen Äxten, gewaltigen Schilden, und prächtigen Rüstungen.
Tiefer und tiefer wanden sich die Gänge.

Am Ende eines besonders breiten Ganges, riesige Fresken schmückten hier die Wände, und goldene Kerzenleuchter säumten den Weg, lag offenbar ein Thronsaal.
Schon lang von seinem Hofstaat befreit, verströmte der Raum noch immer einen Hauch von Prunk.
Obgleich der Thron umgestürzt lag, machten die Ausmaße des Raums, die Wandbehänge und Statuen den angeschlagenen Touch mehr als wett.

Doch Arled hatte auch hier nur kurze Zeit um die Umgebung zu mustern.
Er schwebte auf den Thron zu, darüber hinweg, und auf das gewaltige Loch zu, welches in der Rückwand des Raumes klaffte. Dieser Gang war nicht von den gleichen Erbauern erschaffen wie der Thronsaal.
Der Gang war Rund, und an den Wänden nicht befestigt durch behauenen Stein.
Eher schien der Fels geschmolzen, und wieder erkaltet zu sein.
Auch dieser Gang wand sich tiefer und tiefer.

Plötzlich war der Gang zu Ende und Arled schoss in eine riesige Höhle. Hier war offenbar das Ziel seiner Reise, denn in der Mitte der Höhle, circa fünfzig Meter über dem Boden, verharrte er in der Luft.
Nicht der gesamte Boden der Höhle war massiv, auf weiten Flächen brodelte ein Lavasee neben dem anderen und erfüllte die Höhle mit orange rotem Licht.
Während die Gänge die Arled durchflogen hatte kaum Leben aufgewiesen hatten, pulsierte dieser Ort förmlich davon.
Der Boden wimmelte von Goblins. Kleine grüne Wesen, mit langen Ohren und fast genauso langen Nasen. Sie liefen durcheinander, machen mit Werkzeugen, andere Trugen Materialien umher, wieder andere zankten sich. Dabei ging es beileibe nicht harmlos zu.
Eine beliebte Beendigung der Streitereien schien darin zu bestehen, das der stärkere den schwächeren in einen der Seen bugsierte.

Was Arled aber am meisten beeindruckte, war der gewaltige Drachen der zwischen den Goblins lag.
Arled hatte von Drachen gehört. Arled hatte von großen Drachen gehört. Aber dieser hier, war wohl auch unter den großen Drachen, ein großer.
Seine immensen Ausmaße erstreckten sich fast von einer Seite der Höhle bis auf die andere Seite.
Das Schwanzende formte ein Art Keule, mit der der Wyrm fraglos in der Lage war Burgmauern einzureißen. Seine Klauen überragten daran vorbei huschende Goblins um längen.
Der Rücken war von Hornschuppen gesäumt die sich bis zur Spitze seines Kopfes zogen, der von Arled gesehen in der gegenüberliegenden Seite des Raums ruhte.
Mehr noch als die schiere Größe, mehr als die Klauen, und die Hornplatten fesselte Arleds Blick jedoch die Haut des Leviathans.
Wie der Höhlenboden war auch die Haut des Drachen von Rissen durchzogen durch die Lava zu fließen schien. Es handelte sich dabei offenbar um Wunden, den die Lava floss daraus hervor wie Blut.
Die Goblins schienen sich zu mühen die Wunden zu schließen in dem sie schwarze Metallplatten bearbeiteten die besonders große Risse zu schützen schienen.
Nun war Arled klar wen er hier vor sich hatte.
Jedes Kind kannte die Geschichten die sich um Ihn rankten. Ihn den einstigen Aspekt der Erde. Wächter von Azeroth. Vermeintlicher Heilsbringer.
Neltharion. Nun besser bekannt als Todesschwinge. Fluch der Drachen. Mörder des blauen Schwarms.
Arled konnte es kaum fassen.

Er spürte wie ihn etwas zurück zog. Hier hatte er offenbar genug gesehen. Langsam began er zurück auf den Tunnel zuzuschweben durch den er gekommen war. Immer schneller und schneller.
Am Höhlenrand angekommen, warf er noch einen letzten Blick zurück.
Die Goblins wuselten weiter, die Lava brodelte träge vor sich hin, und der Drache…hatte den Kopf gehoben und schaute mit einem Auge genau in seine Richtung.
Ob Arled es sich nur einbildete oder ob der Drache wirklich direkt in seine Augen sah, konnte Arled nicht mehr klären schon war er im Tunnel verschwunden, und raste immer schneller den Weg zurück den er gekommen war.

Zurück in seinem Körper, stand Arled wieder der Frau gegenüber, und war zum bersten gefüllt mit Fragen.
"Doch zuerst musst du hier in Gilneas für Ordnung sorgen. Einige meiner Kinder sind vom rechten Weg
abgekommen. Magie war im Spiel."

Erneut füllte sich Arleds Verstand mit einer Flut von Bildern, Gerüchen und Geräuschen.

Er sah wie in einem Schloss oder einer Burg, ein Mann in einem alten Buch blätterte. Er trug eine Robe aus Lila Samt. Auf seinem Kopf saß ein Spitzer Hut.
Sein Gesicht wirke ausgezehrt. Gewaltige Augenringe fasten seine Augen ein.
Er begann eine Formel aus dem Buch zu rezitieren, und aus dem nichts kam ein Wind auf, der begann an seiner Robe zu reißen.
Schweiß trat auf die Stirn des Mannes während er immer schneller und eindringlicher die Verse wiederholte.

Vor ihm in der Luft erschien ein vertikaler Strich, vom gleichen Lila wie seine Robe. Runen aus Licht kreisten neben dem Strich in der Luft.
Langsam aber sicher erweiterte er sich und gab den Blick auf eine Landschaft dahinter frei, die der in Gilneas sehr ähnlich sah.
Arled konnte einen Kiefernhain ausmachen, und sogar den schweren Duft des Harzes wahrnehmen.
Doch was ihn mehr in Bann schlug, war was direkt hinter dem Portal wartete.

Es waren Worgen.
Aber nicht nur einige wenige. Es waren hunderte, wenn nicht tausende.
Sie trugen Rüstungen, und Waffen. Schienen für einen Krieg zu rüsten. Arled konnte auf dem Gesicht des Magiers, welcher mittlerweile Schweiß gebadet war, ein zufriedenes Grinsen ausmachen. Ja, Arled wäre so weit gegangen es Erleichterung zu nennen.
Als der erste Worg das Portal durchschritt, den Magier um drei Köpfe überragend, rechnete Arled damit das dem Magier das Lächeln vergehen würde.
Doch statt dem Magier zu zerreisen, fiel der Worg, zu Arleds Überraschung, auf ein Knie und bot dem Magier seinen Speer dar.
Dann riss die Vision unvermittelt ab.

„Dort nahm alles seinen Anfang.“, bedauern lag in ihrer Stimme.
Arleds Herz wollte zerspringen.
„Der Magier in der Lila Robe, sein Name war Arugal. Er handelte mit besten Absichten. Leider war, was er erwartete und was er bekam, mitnichten das Gleiche.
Er rief die Worgen als Hilfe. Jedoch konnte er sie nicht kontrollieren. Und schuf somit ein neues Problem.
In den Kampfhandlungen wurden die Worgen in alle Himmelsrichtungen verstreut.
Einige von ihnen fanden jedoch hier in Gilneas Zuschlupf. Du musst sie finden, und dazu bringen dir zu helfen. Wir brachen das Buch. Das Buch aus dem Arugal die Beschwörungsformeln vorlas.
Willst du das für mich tun?“

Arled wollte es tun. Arled hätte für sie alles getan.
„Das dachte ich mir.“ Sie legte ihre fein Gliedrige Hand an seine Wange und lächelte ihn an.
Arleds Herz machte einen Sprung. Er legte den Kopf in den Nacken, und stieß eine lang gezogenes Heulen aus.

...to be continued

MfG
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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 12

Beitrag von Evilslyn » 21.10.2009, 10:11

Es waren harte Zeiten in die Ellenora hineingeboren wurde. Zwar war die Bedrohung durch die Horde weitestgehend zerschlagen, doch noch immer durchzogen marodierende Banden das Land.
In den nicht weit entfernten Ruinen von Lorderon hausten Gerüchten zu folge Untote. Verwirrte Seelen, erfüllt von Wut und dem Sinnen auf Rache. Rache an dem der verantwortlich war für ihr Schicksal, aber genauso an allem Lebenden, da es sie jeden Tag daran erinnerte wie es einmal war, während sie dabei zusehen konnten wie ihnen das Fleisch von den Knochen fiel.
An den Küsten wurden vermehrt Fischwesen gesichtet, und auch in der Lohnenscheit überragenden Burg gingen des Nachts seltsame Dinge vor sich.

Ellenora aber bekam von all dem kaum etwas mit.
In ihrem kindlichen Verstand, war gar kein Platz für Schwermut.
Sie war viel zu beschäftigt mit ihren Freundinnen für die Stadtwache mit ihren glänzenden Rüstungen zu schwärmen. Oder mit ihren Freunden Marl und Karl durch das Dorf zu ziehen, immer auf der Suche nach der nächsten Gelegenheit irgendwelche Unsinn zu verzapfen.

Am Vorabend des Tages, der das Leben in Lohenscheit für immer verändern sollte, hatte es ein starkes Gewitter gegeben. Blitze hatten die Nacht Taghell erleuchtet, und Donner war ohrenbetäubend über das Land gerollt. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet und in Sturzbächen seine Fracht über Lohenscheit niedergehen lassen.

So kam es das Ellenora an besagtem Tag mit Marl und Karl dabei war einen Frosch zu beobachten der in einer Pfütze am Dorfplatz herum sprang, als aufgeregte Rufe vom Stadttor ihre Aufmerksamkeit erregte.

„Was ist den da los?“, Marl und Karl stellten die Frage wie so oft gleichzeitig. Neugierig reckten sie Ihre Hälse, konnten jedoch nichts erkennen. Die Straßen waren fast Menschenleer, nur wenige waren bei diesem Wetter im Freien unterwegs.
„Lasst uns nachsehen.“, Ellenora lief bereits los. „Na los, wo bleibt ihr denn!?“
Sie warf Marl und Karl noch einen Schulterblick zu und rannte weiter.
Schlamm spritze unter ihren Füßen.
„Na los, wer zuletzt am Tor ist macht heut Abend den Abwasch.“, Marl hatte den Satz gerade erst begonnen, da preschte er bereits hinter Ellenora her. Karl folgte ihm.

Am Tor angekommen, kletterten sie über die kleine Leite auf den dünnen Wehrgang hinter den Palisaden und schauten sich um. Es war nicht schwer herauszufinden was für die überraschten Rufe gesorgt hatte, alle Gesichter waren in die gleiche Richtung gewand.

Ellenora folgte ihren Blicken und machte drei Reiter aus. Sie kamen die kleine gewundene Straße von Burg Schattenfang herunter.
Auf einem Schimmel vorneweg kam Arugal, ein Magier aus Dalaran über den viel Dorftratsch erzählt wurde. Er war von Dalaran nach Schattenfang entsandt worden, und verbrachte seine Zeit dort mit Studien alter Bücher, und ominösen Experimenten.
In Lohenscheit hatte ihn aber bisher kaum jemand zu Gesicht bekommen.
Seine lila Robe schimmerte trotz des spärlichen Lichts das durch die dichte Wolkendecke drang.
Zu seiner linken und rechten Ritten je zwei Ritter von Lorderon. Zumindest waren sie es gewesen, bevor Lorderon von Prinz Arthas geschleift, und von den Untoten übernommen worden war.
Nur wenige Ritter hatten diese Ereignisse überlebt.
Die meisten waren im ehrenhaften Kampf um die Hauptstadt gefallen. Für diese Beiden hier, war die sonst verpönte Stationierung im Außenbezirk ein Segen gewesen.
Auch wenn die Ritter darüber wahrscheinlich anders dachten.

Wäre allein die Tatsache Arugal außerhalb der Burg zu sehen schon Grund gewesen überrascht zu sein, war sie doch nicht der Auslöser für die Rufe gewesen. Es war was den Reitern nachfolgte.
In einer langen Kolonne folgte den Reitern ein Tross Fußsoldaten.
Aber Soldaten Lorderons waren das nicht, soviel konnte Ellenora auch auf die Entfernung feststellen.
Sie waren nicht in die glänzenden Rüstungen gekleidet, sondern schienen in Felle gewickelt zu sein. Ihre Körpergröße war selbst auf die Distanz beeindruckend.
Nicht wenige trugen ihre Köpfe auf einer Höhe mit den Pferden. Ihre Wolfskapuzen verliehen ihnen ein Angsteinflößendes Aussehen.

Der Tross kam näher und näher und Ellenora konnte immer mehr Details erkennen.
Über den Fellen trugen die Männer leichte Lederrüstungen, mit kleinen direkt an den Ellenbogen festgeschnallten Schilden. Ihre Bewaffnung schien hauptsächlich aus Faustwaffen zu bestehen. Sie verliehen ihren Händen das aussehen riesiger Pranken.
Nur wenige trugen Speere bei sich, und noch weniger ein Schwert oder eine Keule.

„Wo kommen die denn alle her, ich dachte Arugal lebe auf der Burg bis auf einige Bedienstete und Wache alleine.“, sagte Karl.
„Keine Ahnung, vielleicht kamen sie bei Nacht, oder sind von der anderen Seite her in die Burg geritten. Ich frage mich nur was für ein Volk oder Stamm das ist. Die habe ich noch nie zuvor gesehen.“, Ellenora klang nachdenklich.
Marl, der schon immer die besten Augen der drei hatte, stand mit offenem Mund da, und starrte auf die Reiterschar.
„Sagt mal … kann es sein das… also eigentlich …“ Marl schien unfähig seinen Satz zu beenden.
„Seid ihr euch sicher dass das Menschen in Fellen sind?“, brachte er schließlich hervor. Er klang gehetzt.
„Natürlich sind das Menschen, was sollten es denn sonst…“ Karl brach mitten im Satz ab.
Die Reiterschar kam um einen kleinen Hügel herum geritten der kurz die Sicht auf den Tross genommen hatte, und nun waren sie Nah genug um jeden Zweifel zu zerstreuen.
Ellenora entfuhr ein kurzer spitzer Schrei.
Das konnte doch nicht wahr sein. Das war einfach unmöglich.
Was da hinter Arugal und seinen Rittern einher schritt war keine in Fell gehüllte Söldnertruppe. Und die Köpfe waren auch keine Kaputzen.

In den Köpfen prangten keine Glasaugen, sondern klare gelbe Augen blickten daraus hervor. Die Felle, glänzten Vital, und waren ebenso wie die Faustwaffen direkt mit ihrem Träger verbunden. Ein schwerer Moschusduft wehe von der Meute zu Ellenora herüber.

„Wwww…www..orgen“, Karl stand mit aufgerissnen Augen da wie erstarrt.
Ellenoras Blick wanderte zu den Wachen, in die hektischer Betrieb kam. Befehle wurden gebrüllt und aus einem Nah gelegenen Wachhaus kamen einige zusätzliche Wachen gerannt und bezogen Posten auf dem Wehrgang.

Arugal hob die Hand, und der Tross kam hinter ihm zum stehen. Langsam ritt er ein Stück näher ans Tor.
„Seid gegrüßt Magier!“, rief Elgar, ein Mann mittleren Alters, und Anführer der Stadtwache.
„Was verschafft uns die Ehre eures Besuchs. Und was ist das für ein Gezücht, welches ihr da mit euch führt.“
„Seid gegrüßt Elgar.“, Arugal lächelte ihm zu. „Dieses „Gezücht“ wie du es bezeichnest, wird unsere Rettung sein. Es sind Worgen. Beherzte Kämpfer ohne Furcht. Mit ihrer Hilfe werden wir die Geisel zuerst aus Lorderon und dann komplett aus den östlichen Königreichen vertreiben.“
„Wie kommt ihr darauf, dass diese Viecher nicht einfach uns gleich mit vertilgen. Die sehen mir alles andere als Vertrauenswürdig aus.“ Elgar spuckte von der Palisade auf den Boden.
Über Arugals Stirn huschte ein kurzes Stirnrunzeln, glättete sich jedoch sofort wieder.
„Ich habe das Wort ihres Anführers. Gamrei Steinzahn, ist sein Name. Er versicherte mir die Treu des Rudels, wenn ich ihnen nur in unsere Welt helfen würde.“ Arugal zeigte auf einen Worgen der an der Spitze des Trosses stand.
Er überragte seine Artgenossen um einen Kopf. Sein Körperbau war sogar für einen Worgen massig. Die Schilde an seinen Ellbogen Waren Metallverstärkt und sein Gesicht war mit Farbigen Linien bemahlt, offenbar seine Clanzeichnung. Von seinem Rücken hing ein gewaltiger Beidhänder herab. Seine Augen waren wach und versuchten offenbar alle Wachen gleichzeitig im Blick zu halten.
„Wie viel ist schon das Wort solch einer Bestie wert?“, entgegnete Elgar. Mein Hund hat auch Ehrgefühl doch wenn es um eine Wurst geht würde ich mich darauf kaum verlassen.
Steinzahns Antritt kam so schnell, und unerwartet, das Ellenora es erst bemerkte als er bereits die halbe Strecke zur Palisade hinter sich gebracht hatte.
Er federte locker in die Knie, drückte sich geschmeidig ab, und überbrückte die Reststrecke mit einem einzigen Sprung.
Sicher landete er direkt auf dem Wehrgang und wirbelte zu Elgar herum.
Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf senkte den Kopf und schritt auf Elgar zu.
Aus seiner Kehle war ein tiefes Grollen zu vernehmen.
Elgars Gesicht hatte alle Farbe verloren. Er stand da, mit auf gerissenen Augen und schaute auf den Berg aus Muskeln, an dessen Händen Zentimeter lange Klauen blitzten.
Mit seiner rechten Hand tastete er an seinem Gürtel entlang und bekam den Schwertgriff zu packen. Er zog es und hielt es schützend vor sich.
Entgegen der schieren Größe Steinzahns wirke das Schwert eher wie ein Zahnstocher den wie ein Schutz.

„DAS IST GENUG!“, Arugals Stimme schien von überall zugleich zu kommen. Sie dröhnte förmlich in den Ohren. Alle Köpfe fuhren zu ihm herum.
Sogar Gamrei verharrte und drehte seinen Kopf zu ihm.
„Ich habe die Worgen nicht als Hilfe in unsere Welt geholt, damit sich die Menschen nun auch noch mit ihnen bekämpfen. Der Feind ist die Geisel, und ihr werden wir gegenüber treten. Hier ist weder der Rechte Ort noch die rechte Zeit für einen Kleinkrieg.“ Arugals Stimme schien immer noch von überall zu kommen, war jedoch nicht mehr so laut.
„Gamrei, ihr habt mir euer Wort gegeben. Zeigt, dass ich etwas darauf geben kann.“
Der gewaltige Worg legte die Ohren zurück, knurrte Elgar noch einmal an und setzte dann mit einem weiteren gewaltigen Satz zurück über die Palisade. Er nahm seinen Platz an der Spitze des Trosses wieder ein.
Elgar stand noch immer völlig bleich da, das Schwert vor sich erhoben. Er schüttelte leicht den Kopf wie um ihn wieder frei zu bekommen und wand sich wieder Arugal zu.
„Nnnehmt eure Köter und verschwindet von hier!“, seine Stimme bebte. „Für diese Kreaturen wird Lohenscheit nie ein Obdach bereit halten. Wenn ihr diese Wesen auf die Geisel hetzen wollt; meinetwegen, manchmal muss man eben Feuer mit Feuer bekämpfen. Aber ohne uns.“

Arugals Mundwinkel strafften sich. „Wie ihr wünscht. Vielleicht werdet ihr eure Meinung noch ändern wenn diese „Kreaturen“ wie ihr sei nennt, euch euer Land wiederbeschafft haben. Denkt daran, man trifft sich immer zweimal im Leben.
Er raunte seinen Rittern etwas zu, und der Tross setzte sich der Landstraße folgende wieder in Bewegung.

Marl, Karl und Ellenora hatten alles sprachlos mit angesehen. Noch immer standen sie mit offenen Mündern da und versuchten zu verarbeiten was sie gerade erlebt hatten.
Sie konnten erst wieder normal denken als der letzte Worg des Trosses außer Sicht gelaufen war.

Dann sprachen alle gleichzeitig. Der eine hatte dies der andere das gesehen. Sie redeten über die enorme Geschwindigkeit mir der Gamrei angesprintet war. Darüber mit welcher Leichtigkeit er über die Palisaden gesetzt hatte.

Über diesen Tag würden sie noch in Jahren sprechen.
Das dies nur der Anfang war; dass die Worgen schon in der selben Nacht wiederkämen; dass Lohenscheit schon bald nicht mehr ihre Heimat darstellen, sondern Grund ihrer Alptäume werden würde; all das konnten sei noch nicht erahnen.

...to be continued

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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 13

Beitrag von Evilslyn » 21.10.2009, 10:12

Den gesamten Tag über war der Vorfall Stadtgespräch. Obgleich meist geflüstert wurde, konnte man an jeder Ecke aus dem Gemurmel Worte wie: Worg, Zauberer und Dalaran, vernehmen.
Ellenora, Marl und Karl welche das Geschehen vom Wehrgang aus nächster Nähe beobachtet hatten, mussten unzählige Male die Geschichte wiedergeben. Die interessierten Dorfbewohner hingen förmlich an ihren Lippen.
In ihrer Art zu berichten unterschieden sich die Zwillinge Marl und Karl sehr deutlich.
Während Karl schon mit fast wissenschaftlicher Genauigkeit berichtete, schmückte Marl die Geschichte kräftig aus.
Karls Bericht umfasst Dinge wie die länge der Eckzähne, die Körpergröße, die von ihm geschätzte Spitzengeschwindigkeit des Worgen und die Fellbeschaffenheit.
Marl konzentrierte sich eher darauf zu vermitteln, wie nah – und todesmutig - er an dem Worgen stand, als dieser über die Palisade hinwegsetzte. Vom Wahnsinn und der ungezügelten Wildheit die er in seinen Augen sah und vom animalischen Geruch der den Worgen umgeben hatte.
Von der Stadtwache zeichnete er ein wenig schmeichelhaftes Bild. Da waren Bemerkungen über riesige Schweißflecke und in der Luft liegende Flatulenzgase.
Die in umstehende Menge quittierte solche Pointen teils mit Gekicher, teils mit lauthalsem Gelächter. Was Marl nur immer mehr anspornten.

Es verwunderte Ellenora wenig dass sich schon bald eine Traube von Menschen um Marl gesammelt hatte. Karl dagegen stand ziemlich verloren da und machte ein verdrossenes Gesicht.
„Na komm, lass uns gehen, wie es scheint ist Marl fürs Erste beschäftigt.“, freundschaftlich knuffte sie ihn in die Seite. Nach kurzem Zetern folge er ihr.

Jeniro lachte leise vor sich hin, während er sich die von der Kälte steif gewordenen Finger rieb. Vor seinem Inneren Auge erzählte der Junge vom Dorfplatz wieder und wieder die Geschichte wie Elgar reagiert hatte als der Worg unvermittelt vor ihm gestanden hatte.
Sonst für sein strenges Regiment berühmt berüchtigt, waren ihm dabei Schweißperlen auf die Stirn und, konnte man dem Jungen glauben, noch ganz andere Dinge in die Hose getreten.
Jeniro bedauerte umso mehr das er an diesem Tag Nachtwache schieben musste. Was hätte er dafür gegeben dabei gewesen zu sein.
Nachtwache, da war sich Jeniro sicher, war eh die schlimmste von allen. Und ganz besonders wenn es auf einen Tag wie diesen fiel.
Der am Vortag gefallene Regen, war über Tag von der spärlichen Sonne erwärmt worden, und zum Teil verdunstet. Nun in der Kühle der Nacht, kondensierte es wieder und Lohenscheit schien wie eine Insel die in einem Meer aus Nebel trieb.
Die hohe Luftfeuchte schien auch die letzte Körperwärme aus Jeniro heraussaugen zu wollen.
Wehmütig erinnerte er sich an seinen Urlaub in Tanaris.
Sonne, Strand und Meer, ließen ihn damals sogar über das ewige Gelärme der Goblins von Gadgezhan hinweghören, die ununterbrochen am Sägen, Schrauben, Erfinden, Verwerfen und Testen waren. Leider konnte er sich so eine Reise von seinem Sold nur alle paar Jahre leisten.
Ein knackender Ast im Nebel riss ihn aus seinen Gedanken. Mit zusammen gekniffenen Augen starrte er in den Nebel, konnte jedoch nichts erkennen. Doch der Nebel war in Bewegung gekommen. Irgendetwas schlich doch da draußen herum.
Jeniro packte seine Lanze fester und kämpfte die in ihm aufsteigende Angst nieder.
„Wer ist da?!“, seine Stimme klang sogar fester als er erwartet hatte. „Geben sie sich zu erkennen!“
Seine Kehle war wie zugeschnürt.
„Sofort stehen bleiben!“, der Befehl war als solcher kaum zu erkennen, so dünn klang seine Stimme.
Plötzlich brach mit einem höllischen Quieken ein Wildschwein aus der Nebelwand und kam schlingernd vor dem Palisadenzaun zum stehen. Um ein Haar wäre es Kopf voran dagegen gerannt.
„Man du Sau! Das kannst du doch nicht mit mir machen! Du hast mich fast zu Tode erschreckt.“ Jeniro stieß ein erleichtertes Lachen aus.
Das Schwein blickte kurz zu ihm auf, quiekte erneut und verschwand im Schweinsgalopp wieder im Nebel.
Jeniro blickte ihr kurz nach, schüttelte grinsend über sich und die ganze Situation den Kopf und blickte wieder auf den See aus Nebel hinaus.

Gerade noch rechtzeitig um die Wirbel im Nebel zu erkennen.
Was da durch den Nebel kam war jedoch kein Schwein. Wie eine Bugwelle schob dieses Was-auch-immer den Nebel vor sich her.
Diesmal war Jeniros Mut erschöpft.
Er ließ seine Lanze fallen und rannte in Richtung der Glocke die an einem Holzbalken, an der Seite der Palisade befestig war. Die Glocke diente ebenso dazu Verstärkung auf die Palisaden zu rufen, wie auch um die Dorfbevölkerung vor drohenden Gefahren zu warnen.
Jeniro hatte sie fast erreicht als er einen Schulterblick riskierte.
Die Nebelbugwelle war auf zehn Meter an die Palisaden herangekommen. Dort wurde sie für den Bruchteil einer Sekunde langsamer und Spie im nächsten Moment drei Worgen aus. Mit atemberaubendem Tempo stiegen sie aus dem Nebel auf.
Jeniro verharrte an Ort und Stelle. Fassungslos verfolgte er ihren Sprung. Wie in Zeitlupe nahm er alles Wahr.
Die Drei sprangen nicht etwa zu ihm auf die Palisade, sie übersprangen sie.
Jeniro wäre fast nach hinten übergekippt, so weit legte er den Kopf in den Nacken.
Die Schemen der Worgen zeichneten sich nur undeutlich vor dem Nachthimmel ab, und verschmolzen fast völlig mit der Dunkelheit.
Ein Stoß durchfuhr die Palisade und drohte Jeniro das letzte Quäntchen Gleichgewicht zu rauben.
Nach Halt suchend streckte er seine Hände aus, und fand ihn.
Seine Finger versanken in dem dichten Fell. Und sein Blick im gelben Schein der Augen seines Gegenübers.
Als Jeniro gegriffen hatte, das die Erschütterung von einem direkt vor in auf die Befestigung gesprungenen Worgen stammte, und er sich an eben diesem festhielt; als er seine Lungen mit Atem gefüllt hatte, um nach Hilfe zu schreien; schlossen sich mit alles zermalmender Kraft Kiefer um seinen Schädel.
Sein Gesicht steckte mit Mund und Nase im Rachen des Worgen, und alles was sein Schrei hervorrief war ein leichtes Gurgeln, welches in dem Geräusch brechender Knochen und reißender Haut unterging.
Jeniro würde Tanaris nie wieder sehen.

To be continued…

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi

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Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 14

Beitrag von Evilslyn » 21.10.2009, 10:15

Elgar saß am Tresen im Schankraum des „Durstigen Wanderers“ und war nicht betrunken. Elgar war weit darüber hinaus.
Die Armee von Schnapsgläsern und Bierhumpen legten reges Zeugnis ab von seinem bestreben diesen Tag aus seinem Gedächtnis zu streichen.
Aber noch immer brannte in seinem Inneren die Scham.
Gerade er, der Hauptmann der Wache hatte angesichts dieses Worgenuntiers geschwitzt wie ein Schwein. Hatte sich lächerlich gemacht vor all seinen Untergebenen. Den Kopf hätte er ihm anschlagen sollen. Das würde er auch, sollte es dieses Vieh auch nur wagen noch ein einziges Mal seinen fellbedeckten Arsch in die Nähe von Lohenscheit zu bewegen.
Elgar war nicht zum Hauptmann geworden weil er alle unter den Tisch trinken konnte. Er hatte seine Schlachten geschlagen, und mit so einem Köter auf zwei Beinen würde er schon fertig werden.
Auf eine Lanze würde er den Kopf aufpflanzen und dann könnten seine Worgenfreunde schon aus der Ferne sehen was ihnen blühe, kämen sie nach Lohenscheit.
„Gib mir noch ne Kurzen.“, murmelte er dem alten Ester zu.
Nun ja, das versuchte er zumindest, denn was aus seinem Mund kam klang eher nach.
„Gb mer nuchen Kourzoon.“
Doch Ester war lang genug im Geschäft um die Kneipensprache zu verstehen, fischte einen Flasche vom Regal hinter sich und füllte Elgars Glas bis zum Rand.
Dabei bewegte er den Mund.
Es dauerte einen Moment bis Elgar wahrnahm das Ester wohl mit ihm sprach.
Er lehnte sich nach vorne.
Kniff die Augen zusammen.
Versuchte Lippen zu lesen.
War fähig ein einziges Wort aus dem Stimmengewirr herauszufiltern und sank traurig in sich zusammen.
„…letztes…“ das konnte nur bedeuten für heute war dies sein letztes Glas.
Ester konnte froh sein das er so betrunken war.
Eine halbe Flasche früher hätte diese Ansage zu lautstarkem Protest seinerseits geführt.
So aber murmelte Elgar nur seinen Missmut in sich hinein, stürzte das Glas, und stand auf.
Auf wackligen Beinen wankte er auf die Schankraumtür zu.
Um ein Haar hätte er auf seinem Weg einen Barhocker umgerissen. Er prallte an den Türrahmen – diese Türen, immer wenn man hindurch wollte mussten sie sich bewegen – hielt sich kurz daran fest, verabschiedete sich Lautstark wenn auch unverständlich von Ester und trat auf dem Dorfplatz hinaus.
Die Luft war kalt, doch Elgar nahm es nur am Rande wahr. Der Alkohol lag wie eine Decke um ihn.
Er räusperte sich, spuckte aus und wankte dann, ein leises Liedchen pfeifend los. Zum Glück hatte er es nicht allzu weit.

Er hatte gerade den Dorfplatz überquert und war in eine kleine Gasse eingebogen als plötzlich ein Dachziegel neben ihm auf den Boden aufschlug. „Verdamm´! ´as wa knapp.“ Entfuhr es ihm lallend.
Er taste sich ab, wie um sicher zu gehen wirklich unverletzt zu sein, und setzt sich dann wieder in Bewegung.
Als er an einer kleinen Seitengasse vorbei kam, glaubte er im Augenwinkel eine Bewegung ausgemacht zu haben, doch als er genauer hinsah war die Gasse leer.
„Man, man, man vielleicht war ´as ´eut doch ein Glas suviel.“
Er hatte sich gerade wieder in Bewegung gesetzt als er bemerke, dass er nicht mehr allein auf der Gasse war. Offenbar war noch ein Nachtschwärmer unterwegs.
Elgar richtete sich soweit es ihm möglich war gerade auf und versuchte nicht zu wanken. Immerhin musste er als Oberhaupt der Stadtwache einer gewissen Erwartungshaltung entsprechen.
Vielleicht konnte er so nüchtern wirken, dass er dem Nachtschwärmer seine mitgeführten Alkoholreserven konfiszieren könnte, und sich somit einen kleinen Schlummertrunk organisieren. Es wäre nicht das erste Mal gewesen.

Als jedoch der vermeintliche Trunkenbold in den schummrigen Lichtkegel einer der Straßenlampen trat, vergaß Elgar seinen Plan.
Er vergaß sogar wie betrunken er war.
Im Grunde vergaß er alles.
Sah nur noch den Worgen der mit leicht gesenktem Kopf auf ihn zukam. Sein Maul, leicht geöffnet, entblößte Zähne wie Dolche. Seine goldenen Augen fixierten Elgar.
Elgar ging langsam rückwärts.
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.
Sein Mund war trocken und er spürte wie Schweiß auf seine Stirn trat.
„Was soll das? Was tut ihr hier? Ihr dürftet nicht hier sein. Wo ist euer Magier. Er wird nicht erfreut sein wenn er hört das ihr euch hier herum treibt.“
Der Worg schien ihn nicht zu hören, zumindest machte er weder anstallten zu stoppen noch zu antworten.
Elgar drehte sich blitzschnell um und begann zu rennen.
Jedoch blieb er nach wenigen Schritten wie angewurzelt stehen.
Aus dem Gässchen das er kurz zuvor noch in Augenschein genommen hatte, trat ein weiterer Worg hervor.
Nun war Elgar der Fluchtweg abgeschnitten.
Sein Blick war der eines gehetzten Tieres, als er versuchte beide Worgen im Blick zu halten. Sie kamen näher, langsam.
Elgar hämmerte mit den Fäusten an einen Fensterladen, in der Hoffnung auf Hilfe.
Tränen traten in seine Augen.
Er konnte förmlich schon die Krallen der Worgen durch sein Fleisch fahren spüren. Ihre Kiefer die sich in ihn gruben.
Da ertönte von oben ein tiefes gutturales Knurren.
Elgar erstarrte mitten in der Bewegung.
Dann legte er langsam den Kopf in den Nacken und sah nach oben, direkt in das Gesicht eines Worgen der sich über die Dach kannte beugte.
Klauenbewehrte Hände schossen auf ihn zu, bohrten sich in seine Arme und rissen ihn nach oben.
Der Schock, der Schmerz sowie der Restalkohol waren zuviel für Elgar Geist. Die Welt um ihn verschwamm und Dunkelheit hüllte ihn ein.

Ellenora erwachte in ihrem Bett und bemerkte gleich, dass etwas nicht in Ordnung war.
Irgendetwas oder irgendjemand trieb sich auf dem Dach ihres Hauses herum. Auch wenn er sich offenbar mühe gab leise zu sein, so konnte sie doch bei jedem Schritt das knirschen der Ziegeln vernehmen.
Ellenora zog sich ihre Bettdecke bis über ihre Nasenspitze, atmete flach und horchte in die Dunkelheit. Die Schritte auf dem Dach waren verstummt.
Just in diesem Moment konnte sie ein Ziegel zerbrechen hören, der wohl von einem der Nachbarhäuser gefallen war.
Ellenora schlüpfte aus ihrem Bett, zog ihre Hausschuhe an, und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Dies war keine gute Nacht um allein zu sein.

To be continued

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi

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