[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-20

Themen rund um die umfassende Geschichte von World of Warcraft. Diskutiert über Bücher, Helden und sonstigen Geschehnissen die sich in World of Warcraft zugetragen haben.
Evilslyn
Tränkeschlürfer
Beiträge: 21
Registriert: 02.10.2009, 11:16

[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 15

Beitrag von Evilslyn » 21.10.2009, 10:16

Ellenora hatte gerade einmal die Hälfte der Strecke zurück gelegt als ein gellender Schrei die Stille der Nacht durchbrach.
Abrupt verstummte der Schrei, kurz darauf brach jedoch die Hölle los.
Von überall in der Stadt schienen Schreie zu ertönen.
Ellenora stürmte ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Diese schienen noch nichts bemerkt zu haben.
Ellenora packte ihren Vater an den Schultern und schüttelte ihn.
„Papa! Papa! Wach auf! Draußen stimmt etwas nicht! PAPA! PAPA!“
Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis ihr Vater verschlafen die Augen öffnete.
Schlaftrunken und verdutzt schaute er sie an.
„Was ist den los meine Kleine? Hast du schlecht geträumt? Komm, leg dich einfach zu uns.“
Er rückte ein Stück, um ihr Platz zu machen, und wollte sich wieder umdrehen.
„PAPA! So hör doch! Irgendwer greift unser Dorf an! Hörst du denn nicht!“
Wieder begann sie ihn zu schütteln.
„Was ist….“, an seinen sich weitenden Pupillen konnte Ellenora erkennen das er nun wach geworden war, und ebenfalls den Lärm vernahm.
Nun war er hellwach. Er drehte sich um und schüttelte Aldira, Ellenoras Mutter wach.
„Rumgar, was ist denn. Es ist mitten in der Nacht…“ Ihre Mutter war schneller wach als ihr Vater.
Mitten im Satz setzte sie sich auf und horchte in die Nacht.
„Rumgar, was ist da los?“, Angst lag in ihrer Stimme.
Wie zur Antwort begann die Glocke der Stadtwache zu läuten.

Krigar hielt sich in den Schatten während er geduckt über die Hausdächer schlich.
Der Mann nahm ihn nicht wahr.
Der armselige Mensch auf der Palisade war nicht in der Lage gewesen Alarm zu schlagen sondern war schnell und sauber erledigt worden.
Ganz Lohenscheit schien noch immer in tiefem Schlummer zu liegen.
Niemand hatte ihr Eindringen bemerkt.
Krigars Nase zuckte erregt während er begierig den Duft der Stadt in sich aufsog.
Der Rauch aus den Schornsteinen, der Geruch des am Abend gekochten Essens, aber auch der schwache Geruch der Menschen selbst, die Schlafend in ihren Betten lagen, reizten seine Sinne.

Gamrei hatte ihnen klare Befehle erteilt.
Sie sollten dafür sorgen, dass der Mensch für sein anmaßendes Verhalten bezahlen würde.
Der Mensch der es gewagt hatte die Ehre Gamreis in Frage zu stellen.
Der Mensch der sie auf eine Stufe mit Hunden gesetzt hatte.
Das waren seine Befehle, doch auch wenn Krigar diesen mit Freude nachkommen würde, so freute er sich doch noch mehr darauf was mit dem Rest des Dorfes geschehen würde. Hier hatte Gamrei ihnen freie Hand gelassen.
Ein hämisches Grinsen zeigte sich auf Krigars Gesicht beim bloßen Gedanken daran.

Krigar und seine beiden Begleiter waren der Fährte des Mannes gefolgt.
Erst jener Alten, die dort begann wo Gamrei und der Mann ihre erste Begegnung hatten, was sie zu dem Haus des Mannes führte. Von dort einer frischen die zu einem großen Haus am Dorfplatz geführt hatte aus dessen Fenstern noch Licht strömte.
Die hatten sich angeschlichen und durch ein Fenster hatten sie den Mann gesehen.
Er saß eingesunken an der Bar vor einer Menge Gläser und Flaschen.
Offenbar war er betrunken. Leichte Beute.

Da sie verhindern wollten, dass ihnen der Mann im Chaos entkam, welches Zweifellos losbrechen würde wenn das Dorf ihre Anwesenheit gewahr wurde, beschlossen sie ihm auf dem Nachhauseweg aufzulauern.
Krigar hatte auf den Dächern Position bezogen und war dem Mann, als dieser das Wirtshaus verließ, gefolgt.
Der beißende Alkoholgestank der von dem Wankenden aufstieg beleidigte seine feine Nase.
Als eine Quergasse einmündete und Krigar über den Graben hinwegsetzen musste, löste sich ein Dachziegel und fiel knapp neben dem Mann zu Boden.
Krigar hielt den Atem an, es war noch zu früh für eine Entdeckung.
Der Mann verharrte. Murmelte etwas vor sich hin und ging dann weiter.
Direkt an der kleinen Gasse vorbei in der hinter einer Kiste Flinegar kauerte.
Krigar nickte ihm kurz zu bevor er weiter dem Mann folgte, darauf bedacht nicht noch eine Ziegel zu lösen. In Kürze würde die Lautstärke eh keine Rolle mehr spielen.
Dank seiner Augen, die perfekt für das Sehen bei Mondlicht geschaffen waren, machte Krigar problemlos Eihm aus, welcher aus der nächsten Straßeneinmündung bog.
Der Mann hatte ihn offenbar auch bemerkt, denn er straffte seine Haltung.
Krigars Muskeln spannten sich, er war bereit zuzuschlagen.
Einige Schritte ging der Mann noch weiter, offenbar hatte er nur gesehen dass jemand kam, jedoch nicht wer oder was.
Als er es erkannte, erstarrte er, machte einige Schritte Rückwärts und wandte sich dann zur Flucht. Flinegar war jedoch zu Stelle und schnitt ihm den Weg ab.
Krigar erfüllte eine Woge der Genugtuung. Alles lief genau wie geplant.
Diese Menschen, sie waren wie Schafe. So berechenbar, und wenn sie keine Waffen führten so wehrlos. Von Flinegar und Eihm in die Enge getrieben rannte der Mann an eines der verschlossenen Fenster direkt unter Krigar, und begann verzweifelt dagegen zu hämmern.
Als Krigar gerade nach ihm greifen wollte, schaute er plötzlich nach oben und entdeckte ihn. Es war jedoch viel zu spät um noch etwas entgegen zu setzen.
Blitzschnell schossen Krigars Klauen nach vorne, Gruben sich tief in die Arme des Mannes und rissen ihn nach oben.
Offenbar war das zu viel für ihn, denn sein Körper erschlaffte in Krigars Griff.
Dieser warf ihn über seine Schulter und rannte über die Hausdächer auf den Stadtrand zu.

Erst würde er das Paket für Gamrei in Sicherheit bringen.
Dann zurück kehren und sich dem anschließen, was Flinegar und Eihm mit Sicherheit gerade begannen.
Er hatte erst die Hälfte der Strecke hinter sich gebracht, als Schreie die Nacht zerrissen.

To be continued…

Mit freundlichen Grüßen
Eure Hexadezimala

Evilslyn
Tränkeschlürfer
Beiträge: 21
Registriert: 02.10.2009, 11:16

[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-15

Beitrag von Evilslyn » 26.10.2009, 10:01

Krigar setzte trotz seiner Last, locker über die Palisaden hinweg.
Er überquerte die von Bäumen befreite Schneise und verschwand im nahen Wald.
Nach kurzer Zeit erreichte er eine Lichtung. Hier von hier waren sie nach Lohenscheit aufgebrochen, und hier wartete auch der Rest ihrer Gruppe.
Rudgar der für das Ausschalten der Nachtwache verantwortlich gewesen war, stand mit sechs anderen Worgen auf der Lichtung bereit.
Sie rochen angespannt. Erwartungsvoll. Jagdbereit.
Krigar legte den leblosen Körper von seiner Schulter auf den Waldboden und fesselte ihn mit einem bereitgelegten Seil. Dann hängte er ihn an einen Baum.
Krigar musste beim Anblick der verdrehten Schultern grinsen. Das würde ein schmerzhaftes Erwachen geben, so viel stand fest.
Dann wendete er sich den wieder den Worgen zu, welche ihn erwartungsvoll anstarrten.
Er warf den Kopf in den Nacken und stieß ein langgezogenes Heulen aus. Der Auftrag war erfüllt, was nun kam, war die Kür.
Das Rudel setzte sich wie ein Mann in Bewegung. Lohenscheit wartete.

Ellenoras Vater und Mutter waren in heller Aufregung. Unmittelbar nachdem die Glocke geschlagen worden war hatten auch die Schreie begonnen, und schienen kein Ende zu nehmen. Sie hatten sich schnell die Kleidung des Vortages übergeworfen und Ellenoras Vater hatte das Familienschwert von der Wandhalterung genommen.
Zwar war die Waffe schon recht alt, und Ellenoras Vater nicht besonders im Umgang damit vertraut, doch wollte er um keinen Preis unbewaffnet nach draußen gehen.
Bevor er die Haustür öffnete drehte er sich noch einmal seiner Familie zu.
„Ellenora, ich möchte, dass du immer dicht bei mir bleibst. Hast du das verstanden. Ich weis nicht genau was uns da draußen erwartet, aber es wird gefährlich werden. Deshalb möchte ich, dass du mir nicht von der Seite weichst.“
„Ich will aber nicht nach draußen!“, Ellenora schluchzte. „Warum können wir denn nicht einfach hier warten bis es vorbei ist.“
„Das geht nicht. Wenn wir hier bleiben sitzen wir auf dem Präsentierteller. Wir müssen zu den Soldaten, und vor allem müssen wir heraus finden was genau hier vor sich geht.“
Seine Stimme war fest und bestimmt. Noch bevor Ellenora weiter protestieren konnte hatte er sich auch schon umgewand und die Tür geöffnet.
Er streckte den Kopf aus der Tür, blickte nach rechts und links, gab Ellenora und ihrer Mutter ein Zeichen ihm zu folgen und huschte nach draußen.
Edina, folgte ihrem Mann. Ellenora die fest die Hand ihrer Mutter umklammert hielt, folgte ihr auf dem Fuß.
Der Nachthimmel über Lohenscheit war orange verfärbt. Irgendwo mussten Häuser in Brand geraden sein, denn auch der schwere Geruch von Rauch kroch durch die engen Gassen.
Die bereits im Haus vernommenen Schreie, drangen nun ungehindert an Ellenoras Ohren.
Ein jeder durchfuhr sie wie ein Peitschhieb und mehre die Angst.

Ihr Vater schritt voran das Schwert einsatzbereit vor sich erhoben. Es waren jedoch keine Angreifer zu sehen. Nach der Geräuschkulisse zu urteilen, mussten die Angreifer auf dem Dorfplatz zugange sein. Ihr Vater schlug den Weg zu den Unterkünften der Stadtwache ein. Sie durchquerten mehrere kleine Gassen ohne irgendjemand zu begegnen.
Vom Dorfplatz ertönte ein Horn gefolgt von einem Kriegsschrei. Das Klirren von Klingen war zu vernehmen.
Als sie die Quartiere schon fast erreicht hatten, und gerade eine weitere Gasse durchquerten, schoss unvermittelt ein grauer Schemen aus dem Dunkel einer Seitengasse und riss Ellenoras Vater von den Beinen.
Er und der Angreifer prallten schwer gegen die Wand. Ellenora schrie als sie in dem Angreifer einen Worgen erkannte. Das Untier schnappte nach ihrem Vater, und dieser hatte alle Mühe seinen Kopf vor den schnappenden Kiefern zu bewahren.
Ellenoras Mutter, stand wie angewurzelt da und starrte auf die Kämpfenden. Ellenora die ihre Hand umklammerte, versuchte sie weg zu ziehen, jedoch erfolglos. So sehr sie auch schrie und zerrte, ihre Mutter war wie aus Stein.
Erst als der Worg mit einer seiner Pranken ausholte und Framir eine Wunde am Bein zufügte, was dieser mit einem gellenden Schrei quittierte kam wieder leben in ihre Mutter.
Doch schon im nächsten Moment verwandelte sich Ellenoras Erleichterung in pures Entsetzen. Edina ließ ihre Hand los. Ellenora verlor das letzte bisschen Fassung. Sie krallte sich an den Rocksaum ihrer Mutter, weinte und schrie.
So bemerkte sie nicht, wie Edina in ihren Ärmel griff und ein Messer hervor zog.
Vorsichtig näherte sie sich dem Worgen von hinten, und rammte ihm das Messer bis zum Heft kurz unter dem Nacken in den Rücken.
Ein ersticktes Gurgeln, entfuhr der Kehle des Worgen. Er wirbelte herum und schlug mit seiner Pranke zu. Er traf Edina mit voller Wucht.
Sie flog an die Hauswand hinter ihr, und sackte in sich zusammen.
Ellenora schrie auf und stürzte zu ihr.
Der Worg aus dessen Rücken noch immer der Messer griff ragte entdeckte fixierte sie mit einem hasserfüllten Blick und machte einen Schritt auf sie zu. Ellenora bemerkte es nicht.
Durch einen Vorhang aus Tränen blickte sie ins Gesicht ihrer Mutter.
Ein kleines Rinnsal von Blut lief aus ihrer Nase.

Framier sah wie seine Frau gegen die Wand prallte und seine Tochter zu ihr stürzte.
Der Worg hatte von ihm abgelassen und trotz des Messers in seinem Rücken machte er nun anstallten auf Ellenora zuzugehen. Die Angst um seine Familie und der blanke Hass auf das Wesen das seine Frau schwer verletzt, wenn nicht gar getötet hatte, ließ Framier den Schmerz in seinem Bein vergessen. Er stützte sich auf sein Schwert, drückte sich nach oben, holte aus und mit einem Schwung in den er all seine Kraft legte trennte er den Kopf der Bestie ab, der wirbelnde in der Dunkelheit verschwand.
Der Torso blieb noch kurz stehen, sackte dann in die Knie und viel vorn über.

Framier war sofort an der Seite seiner Tochter. Er legte behutsam seine Finger an Edinas Hand und fühlte ihren Puls. Nichts. Sein Herz sank, Tränen füllten seine Augen.
„Edina. Liebes, sag doch etwas.“ Er packte ihre Schultern und schüttelte sie sanft.
Ellenora hing am Arm ihrer Mutter und schluchzte herzerweichend. „Mama! Mama!“, trotzig wiederholte sie wieder und wieder die Worte.
Framier legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Ellenora, du musst jetzt stark sein. Mama wird uns nicht begleiten können. Wir müssen weiter und Hilfe holen.“
Ellenora sah ihn aus Tränenüberströmten Augen an als sähe sie ihn das erste Mal. „Ich geh hier aber nicht weg! Ich will bei meiner Mama bleiben!“, sie wendete sich wieder dem leblosen Körper ihrer Mutter zu und schüttelte ihren Arm „MAMA!“.
Framier hörte dass der Kampfeslärm immer näher kam, und wusste, dass er keine Zeit hatte Ellenora alles zu erklären. Kurzerhand schnappte er sie sich und lief los.
„Lass mich sofort wieder runter! Lass mich, ich will zu meiner Mama!“ er fühlte sie Ellenoras Körper bebte. Sie schlug wie wild mit ihren Fäusten auf ihn ein. Wand sie wie eine Schlange.
Framier jedoch hielt sie fest und rannte so schnell er konnte.
Sein Geist war wie in Watte gepackt. Das Pochen aus der Wunde an seinem Bein ignorierte er so weit es ging, knickte aber immer wieder ein, fing sich und rannte weiter.
Den Plan die Soldaten zu erreichen hatte er aufgegeben. Er musste seine Tochter retten.
Er vermied es breite Straßen zu benutzen da er wusste wie groß die Wahrscheinlichkeit war dort entdeckt zu werden. So musste er zwar Umwege in Kauf nehmen, erreichte jedoch die Palisaden ohne auf jemanden zu treffen.
Da er davon ausgehen musste das an den Eingängen der Stadt sicher Kampfhandlungen stattfanden, hatte er einen Ort angesteuert, an der man die Palisaden über eine schmale Treppe betreten konnte. Ellenora hatte das auf ihn einschlagen und Schreien eingestellt, und hing schlaff über seine Schulter. Nur ihr gleichmäßiges Schluchzten ließ Framier wissen das sie noch am leben war.
Auf der Palisade setzte er sie vorsichtig ab, packte sie an beiden Schultern schaute ihr ins Gesicht.
„Hör mir jetzt gut zu. Alles wird wieder gut werden. Du musst jetzt stark sein. Ich werde dich an der Außenwand hinab lassen, und dann rennst du in den Wald und versteckst dich da. Bleib dort bis ich dich holen komme, komm auf keinen Fall hierher zurück bevor ich nicht zu dir komme! Verstehst du das?!“, er war sich nicht einmal sicher ob Ellenora ihn gehört hatte, denn sie starrte ihn nur fassungslos an.
Im nächsten Moment hing sie an seinem Bein und umklammerte es. „Lass mich nicht allein! Ich will bei dir bleiben!“, Panik lag in ihrer Stimme.
„Das geht nicht. Es ist viel zu gefährlich. Ich hole Mama und dann komme ich nach.“ Noch während Ellenora Widerworte suchte, packte er sie, schwang sie über die Palisade und ließ sie so weit es ihm möglich war nach unten. Ellenora zappelte, weinte und protestierte lautstark.
„NEIN! BITTE ICH WILL NICHT! PAPA LASS MICH NICHT ALLEIN!“ Ihr Blick traf den Framiers und für einen Moment verstummte sie.
„Ellenora, du bist mein Leben. Ich würde dich nie absichtlich in Gefahr bringen. Vertrau mir, du musst dich jetzt verstecken. Es gibt keinen Anderen Weg. Ich weis du kannst es schaffen. Sei mutig meine Kleine, alles wird gut.“
Eine Veränderung trat in Ellenoras Gesicht. Ihre Mundwinkel strafften sich, ihre Tränen versiegten nicht, wurden jedoch weniger. Auch ihr Schluchzen ließ nach.
„Aber beeil dich, bitte.“ „Ich komme so schnell es geht. Vergiss niemals, ich liebe dich.“ Mit diesen Worten ließ Framier ihre kleine Hand aus der Seinen gleiten und Ellenora landete nach kurzem Fall auf dem Waldboden.
„Jetzt geh! Lauf schnell!“, Ellenora blicke noch einmal zu ihm auf, wandte sich dann um und verschwand im Nebel.

Evilslyn
Tränkeschlürfer
Beiträge: 21
Registriert: 02.10.2009, 11:16

Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-15

Beitrag von Evilslyn » 26.10.2009, 10:02

Noch sie die letzten Bäume passierten und auf die Lichtung von Lohenscheit traten, kündete ein orangeroter Schein, sowie beißender Rauch das Brennen des Dorfes an.
Anders als bei seinem ersten Besuch, bei dem er, Flinegar und Eihm das Dorf längere Zeit vom Waldrand beobachtet hatten, um eine Stelle zu finden an der die Verteidigung am schwächsten war, preschten sie nun ohne anzuhalten auf die Palisaden zu. Sie wurden sogar noch schneller, da sie nun keine Bäume und Sträucher mehr im Weg hatten die sie behinderten.
Der Geruch des Blutes lag in der Luft.
Süß, metallisch und verheißungsvoll.
Die durch die Nacht gellenden Schreie, das Rauschen des durch seine Adern schießenden Blutes und das gierige Knistern der Flammen vermischten sich zu einem rauschenden Meer der Klänge, in dem seine Mordlust lodernd entflammte.
Krigar und der Rest seines Packs, hoben synchron vom Boden ab, sprangen im hohen Bogen auf die Balustrade. Unter ihnen konnten sie die Dächer der Stadt überblicken. In der nähe des Dorfplatzes standen mehrere Häuser lichterloh in Flammen.
Im Spiel der lodernden Flammen konnten sie Flinnegar ausmachen der gerade einen der Wächter Lohenscheits am Hals gepackt hielt. Die Füße des Soldaten ruderten in der Luft.
Die Füße erschlafften abrupt als Flinnegar ihm mit der anderen Pranke einen Schlag gegen den Kopf verpasst so dass dieser in unnatürlichem Winkel nach hinten weg knickte.
Krigar schaute erst nach links dann nach rechts. Sein Gefolge blickte ihn erwartungsvoll an.
Mit einem kurzen nicken gab er ihnen den Befehlt, nein es war eher die Erlaubnis, denn eines Befehls bedurfte es nicht, zum Angriff.
Fächerförmig sprangen die Worgen los, und landeten verteilt auf den Dächern der Ortschaft.

Framier rannte durch die verlassenden Gassen. Das Schwert fest im Griff. Er wusste dass seine Frau tot war, er hatte selbst ihren Puls gefühlt, doch tief in seinem Innern weigerte sich etwas es zu akzeptieren. Vielleicht hatte er in der Hektik des augenblicks an der falschen Stelle gefühlt, oder ihr schwacher Puls war von seinem rasenden überdeckt worden. Auch jetzt noch spürte er seinen Pulsschlag bis in die Fingerspitzen.
Er erreichte den Ort an dem er Edina zuletzt gesehen hatte. Am Stumpf, der vom Hals des Worgen, nach seinem Hieb noch übrig geblieben war hatte sich eine große Blutlache gebildet. Edina lag noch immer da wie sie es getan hatte als er ging.
Er kniete neben ihr nieder und legte eine Hand an ihre Wange.
Die Haut war kalt. Sie war also tatsächlich tot.
Tränen füllten seine Augen als die grausame Endgültigkeit dieser Tatsache sich ihren Weg in sein Bewusstsein bahnte.

Etwas in ihm zerbrach.
Die Welt um ihn wurde still.
Die Wunde an seinem Bein nahm er nun nicht einmal mehr als Pochen wahr.
Sein ganzes Bewusstsein war erfüllt von der brennenden Gier auf Rache.
Er würde diese Bestien töten. Eine nach der anderen.
Er drückte seiner Frau einen Kuss auf die bleiche Stirn.
Dann stand er auf. Packte den Griff seines Schwertes so fest, dass die Knöchel seiner Finger weiß hervor traten und rannte auf den Dorfplatz zu.

to be continued...

MfG
eure Evi

Evilslyn
Tränkeschlürfer
Beiträge: 21
Registriert: 02.10.2009, 11:16

[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-15

Beitrag von Evilslyn » 26.10.2009, 10:02

Flinnegar war in seinem Element. Nachdem sie ihren Auftrag erledigt und Krigar sich mit ihrem Fang davon gemacht hatte, begann der Teil auf den sich Flinnegar seit ihrem Aufbruch gefreut hatte.
Flinnegar hatte sich umgehend auf den Weg in die Dorfmitte gemacht. Obgleich er das Dorf nicht kannte, leiteten ihn Nase und Ohren zuverlässig. Der Geruch dem er folgte war jener von Öl und Stahl, die Geräusche, das Geklapper von Metal.

Und da waren sie, genau wie er es erhofft hatte. Eine ganze Gruppe von Stadtwachen hatte sich auf dem Dorfplatz versammelt. Manche waren noch dabei Teile ihrer Rüstungen anzulegen, andere liefen aufgeregt durcheinander. Flinnegars Gesicht verzog sich zu einem bösen Grinsen. Dass sie ihren Anführer nicht auffinden konnten, schien genau die Wirkung zu zeigen die sie erwartet hatten. Ein jugendlich wirkender Mann der nun offenbar in der Befehlskette nach oben gerutscht war, brüllte Befehle, die aber wenn überhaupt, nur zögerlich befolgt wurden. Beim verzweifelten Versuch, Ordnung in die Reihen zu bringen, wogte der Federbusch auf seinem Helm heftig hin und her. Sein Kopf war rot vor Anstrengung und Schweiß stand auf seiner Stirn.
Flinnegar war klar, wenn er seinen Plan umsetzen wollte, musste er handeln bevor dieser Kerl Ordnung in Reihen bringen konnte. Daher zögerte er nicht.

Rudwin schrie, dass ihm die Stimmbänder schmerzten, und doch schien ihm keiner zuzuhören. Wo steckte nur Elgar? Wahrscheinlich hatte er sich nach Dienstschluss wieder in den „durstigen Wanderer“ verkrochen und sein abendliches Trinkritual abgehalten. Dort saß er wahrscheinlich, vornüber gesunken, am Tresen und bemerkte nicht was hier los war. Oder er lag bereits in seinem Bett und schlief seinen Rausch aus.
Rudwin hatte zwei seiner Männer losgeschickt ihn zu suchen, doch bisher war keiner der beiden zurück gekehrt.
Die Männer, die teilweise vor kurzem noch schlafend in ihren Betten gelegen hatten, waren vollkommen verwirrt.
Rudwin konnte es ihnen nicht verübeln. Immer wieder ertönten Schreie aus dem Dunkel der Nacht, woraufhin sich die Männer beunruhigt umblickten bevor sie weiter ihre Rüstungen anlegten.
Bevor sie selbst richtig ausgerüstet waren, wäre es Wahnsinn gewesen zu versuchen den Schreienden zu helfen. Die Worgen waren ihnen in der Dunkelheit noch mehr überlegen als sie es im Licht ohnehin schon waren. Außerdem wusste keiner wie viele von ihnen dort draußen in der Dunkelheit lauerten.

Rudwin hoffte inständig, dass in kürze Elgar auftauchen würde. Auf seine Befehle würde gehört werden. Und Rudwin hätte auch endlich jemanden der ihm sagte was er tun sollte, denn er war völlig überfordert.
Doch als er einen hoffnungsvollen Blick über die Straßeneinmündungen, welche auf den Platz führten gleiten ließ, war es nicht Elgar den der dunkle Straßenschlund ausspuckte.
„Vorsicht Männer! Worg!“, schrie er so laut er konnte.
Köpfe fuhren zu ihm herum, um dann seinem ausgestreckten Finger zu folgen und den grauen Worgen zu entdecken der mit voller Geschwindigkeit auf sie zukam.

Der junge Ered sah ihn nicht. Bis er den Kopf gewendet hatte, um zu Rudwin zu blicken, hatte der Worg die Strecke mit einem gewaltigen Sprung überbrückt und traf mit einem Prankenhieb seinen Schädel. Sein Genick brach mit einem lautstarken Krachen, und schmatzend rissen seine Sehnen.
Noch während Rudwin wie gelähmt dastand und in Zeitlupe Ered auf den Boden aufschlagen sah, wütete der Worg mit ungezügelter Wildheit weiter unter seinen Männern. Fänge gruben sich in Hälse, Pranken fällten gestandene Männer wie Strohhalme. In der Gruppe der Männer breitete sich Panik aus, und die letzten Spuren von Ordnung zerfielen.
Einige Soldaten suchten ihr Heil in der Flucht, andere starrten fassungslos auf das sich ihnen darbietende Massaker. Nur wenige griffen zu ihren Waffen und boten Widerstand.
Doch sie, während der Worg umgeben war von potentiellen Zielen, wurden durch ihre in Panik verfallenen Kameraden behindert.

Sie waren fünfzehn Mann gewesen, fünfzehn Mann mit Schwertern Äxten und Speeren, alles in allem eine schlagkräftige Truppe. Doch nach wenigen Minuten sah sich Rudwin dem Worgen allein gegenüber. Einige seiner Männer waren geflohen, wenn auch nicht viele, denn der Worg schien gezielt darauf zu achten die Fliehenden abzufangen. Der Großteil lag tot oder sterbend am Boden.
Der Worg kam langsam auf ihn zu. In seinen Augen konnte Rudwin die Mordlust lodern sehen. Sein Fell war Blut getränkt. Seine gewaltigen Klauen öffneten und schlossen sich. Das Maul stand halb offen und gab den Blick auf gewaltige Zähne frei.

Rudwin wollte sein Schwert ziehen.
Rudwin wollte sich verteidigen.
Rudwin wollte weg.
Rudwin wollte zu seiner Mutti.
Rudwin pinkelte sich an.
So stand er bewegungslos da, wie versteinert, bis der Worg vor ihm aufragte. Das warme Gefühl des frischen Urins, der langsam an der Innenseite seiner Schenkel herab lief hatte etwas Tröstliches. Rudwin begann zu weinen.
Das letzte was Rudwin durch seine Tränen sah, als der Worg ihn am Hals gepackt hielt und zu sich auf Kopfhöhe hob, war ein Mann in Zivilkleidung der aus einer Gasse auf den Dorfplatz gerannt kam. In seiner Hand hielt er ein Schwert.
Dann traf die freie Pranke des Worgen Rudwins Kopf.
Damit endeten all seine Sorgen.

Framier kam am Dorfplatz an, wo sich ihm ein schreckliches Schauspiel bot. Die Stadtwache hatte sich offenbar hier gesammelt um dem Angriff geschlossen entgegen zu treten. Doch waren sie wohl, noch ehe sie sich organisiert hatten, angegriffen worden. Ein einzelner Worg wütete unter ihnen und fuhr blutige Ernte ein. Sein Maul schnappte nach links und rechts, riss Halsschlagadern auf oder hinterließ tiefe Furchen in Armen und Beinen. Seine Pranken waren ebenso gefährlich. Die gewaltigen Klauen waren tödlich wie Dolche.
Zwei Männer standen noch als Framier den Platz betrat.
Einer von beiden versuchte mit einer Lanze den Worgen anzugehen. Dieser packte die Lanze jedoch am Stiel, brach ihre Spitze ab, und rammte sie dem verdutzt drein schauenden Soldaten ins Bein, worauf dieser schreiend zusammen brach. Dann näherte sich die Bestie dem letzten Verbliebenen.
Ein Federbusch auf dessen Kopf verriet seinen höheren Rang.
Allerdings bekleckerte er sich nicht gerade mit Ruhm. Wimmernd stand er da, das Schwert noch immer in der Scheide steckend, machte er keinerlei Anstalten sich zu verteidigen.

Framier zögerte nicht. So schnell und zeitgleich so leise wie möglich eilte er von hinten auf den Worgen zu. Dieser schien ihn nicht zu bemerken da er vollauf mit seinem letzten Opfer beschäftigt war. Framier kam immer näher heran, das Schwert schlagbereit erhoben.

…to be continued

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi

Evilslyn
Tränkeschlürfer
Beiträge: 21
Registriert: 02.10.2009, 11:16

[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-15

Beitrag von Evilslyn » 26.10.2009, 10:03

„Armseelig, einfach nur Armseelig.“, dachte sich Flinnegar als er sein letztes Opfer zappelnd und röchelnd vor sich hängen sah.
Zwar hatte er um seine körperliche Überlegenheit gewusst. Doch dieser Auftritt war erbärmlich gewesen.
Die Männer hatten sich mehr gegenseitig behindert als sich ihm entgegenzustellen. Manche hatten wie Kinder nach ihren Müttern geschrien, von Angesicht zu Angesicht mit ihm, ihres nahen Todes gewahr.
Doch dieser Geck, mit seinem Federbusch auf dem Kopf, war mit Abstand der armseligste Wicht von allen.
Flinnegar konnte deutlich den leichten Ammoniakgeruch wahrnehmen, der aus seiner Hose wehte. Ekel stieg in Flinnegar auf.
Er holte aus und brach dem Wimmernden mit einem einzigen Schlag das Genick.

Um ein Haar hätte das Geräusch der berstenden Knochen, welches Flinnegar immer einen wohligen Schauer über den Rücken jagte, sein Leben gekostet.
Nur seinen geschärften Sinnen hatte er es zu verdanken, dass er die sich von hinten schnell nähernden Schritte hörte.
Er ließ den schlaffen Körper fallen und sprang zur Seite.
Wenngleich ihm diese schnelle Reaktion das Leben rettete, so reichte sie dennoch nicht um unverletzt zu bleiben.
Brennender Schmerz durchzuckte seinen Arm, als die Klinge in seine Schulter fuhr.
Flinnegar fuhr herum. Welchen der Soldaten hatte er nur vergessen. Er war sich sicher gewesen den Federträger für den Schluss aufgespart zu haben.
Offenbar hatte er sich auch nicht geirrt. Statt eines Soldaten, sah er sich einem Mann gegenüber, der Zivilkleidung trug.
Flinnegar blieb keine Zeit ihn genauer in Augenschein zu nehmen. Mit tödlicher Geschwindigkeit raste die Schwertklinge erneut auf ihn zu.
Gerade noch konnte er sich durch einen Sprung nach hinten retten. Er hörte das Sirren der Klinge als sie knapp vor seinem Gesicht durch die Luft schnitt.
Er setzt zum Gegenangriff an, doch sein Gegenüber blockierte den Schlag mit der Klinge.
In den Augen des Mannes brannte purer Hass. Sein Gesicht war eine Fratze des Leides und der Wut.
Diese Menschen. Obwohl Flinnegar erst seit kurzem diese Welt betreten hatte, verwunderten ihre Bewohner ihn zutiefst.
In diesem Zivilisten schien mehr Kampfeswille, Mut und Kraft zu stecken, als in der gesamten Mannschaft die in ihrem eigenen Blut um sie herum lagen.
Der Mensch attackierte mit ungezügelter Wildheit. Hieb und Stach nach Flinnegar, sodass dieser gezwungen war, manche Attacken zu parieren statt ihnen auszuweichen.
Zwar trug Flinnegar die für die Worgen typischen Ellbogenschilde, doch nicht jeder Schlag kam so dass er auch mit diesen parieren konnte.
Zwei Hiebe trafen seinen Unterarm und rissen tiefe Wunden bis auf den Knochen.
Nur seinem Worgenskelett verdankte er, dass es bei einer Fleischwunde blieb. Ein Mensch hätte seinen Arm verloren.

Der Schmerz weckte tief im Innern von Flinnegar eine Kraft die trotz der generellen Wildheit der Worgen, nur dann aktiviert wurde, wenn ihr Leben in Gefahr geriet.
Der Schmerz, die Überraschung über die heftigen Angriffe alles wurde wie weggewaschen.
Er badete in einem See der Stille, in der nur noch das Rauschen seines Blutes in seinen Ohren dröhnte. Für Flinnegar gab es nun kein zurück mehr. Er straffte seinen Körper und schnellte nach vorn.

Framiers Wut kannte keine Grenzen. Das Bild seiner bleichen Frau, brannte in seinem Herzen. Und der Worg vor ihm repräsentierte all jene die für ihren Tod verantwortlich waren.
Er würde Zahlen, mit Blut, mit seinem Leben.
Die wilde Bestie, die noch eben ein ganzes Regiment auseinander genommen hatte, wich unter der Inbrunst seiner Angriffe zurück.
Trotz der tierischen Reflexe des Worgen, hatte er einige Treffer landen können, und dem Untier tiefe Wunden beigebracht, aus denen dickflüssiges Blut hervorquoll.
Er würde ihn töten.
Erst ihn, und dann das gesamte restliche Pack, falls es den Fehler machen sollte ihm unter die Augen zu treten.
Wie im Rausch ließ Framier sein Schwert auf die Kreatur niedergehen. Schritt um Schritt trieb er ihn vor sich her.

Gerade noch rechtzeitig bemerkte Framier die Veränderung in den Augen der Bestie.
An die Stelle der Mordlust und Überheblichkeit, welche selbst während des Zurückweichens in des Worgen Augen zu lesen war, trat Wahnsinn.
Framier hatte keine Zeit auszuweichen als der Worg nicht mehr zurück wich, sondern seine Muskeln spannte und mit weit geöffnetem Rachen auf ihn zusprang.
Wie in Zeitlupe sah er die blitzenden Zähne auf sich zukommen, und wählte die einzig verbliebene Möglichkeit.
Er ließ sich nach hinten fallen, und stieß das Schwert mit aller Kraft nach vorn.

Die Klinge bohrte sich bis zum Heft in den Brustkorb des Worgen. Der massige Leib begrub Framier fast vollständig.
Den Kopf der Bestie direkt neben dem seinen, konnte Framier deutlich hören wie der letzte Atemzug röchelnd den Lungen der sterbenden Kreatur entwich.
Ein kurzes Gefühl der Befriedigung durchströmte Framier.
Doch, seinen brennenden Hass, reichte es nicht zu löschen.

Halb schob er den Leichnam von sich, halb kroch er darunter hervor.
Er trat den Worgen, in die Rippen und versucht ihn umzudrehen, um seine Waffe zurück zu holen.
Schnell stellte er fest, dass der Körper zu schwer war und gab auf. Er spuckte auf den Worgen und schaute sich dann nach einer Alternative um. Neben all den Toten und Verletzten lag ein reichhaltiges Waffenarsenal herum.

Eine Art aufgeregtes Kläffen ließ ihn aufsehen.
Auf einem Dach ganz in der Nähe stand ein Worg. Die Laute die er von sich gab waren nicht schwer zu interpretieren. Er verkündete den Tod seines Artgenossen.
Er rief das Rudel.

Framier bückte sich und hob eine kurzstiehlige Axt und einen Dolch von Boden auf.
Als er sich aufrichtete um den Worg zu erwarten, war dieser nicht mehr allein. Ein weiterer hatte sich zu ihm gesellt.
„Kommt nur her! Kommt ihr Bestien! Ich nehme es auch mit euch beiden auf. Kommt her wenn ihr eurem flozerfressenen Freund Gesellschaft leisten wollt.“ Die durch sein Blut wallende Mischung von Adrenalin, und Endorphin, ließ ihn sich fühlen als könne er es mit der ganzen Welt aufnehmen. Angst hatte keinen Platz mehr in Framier.

Die Worgen machten jedoch keine Anstallten vom Dach herab zu steigen. Stattdessen legten sie ihre Köpfe in den Nacken und stießen ein langgezogenes Heulen aus, das weit über die Dächer der Stadt hallte. Etliche Wölfe stimmten in das heulen ein.
Zu Framiers Überraschung auch hinter ihm.
Ganz in der Nähe.

To be continued…

MfG
Eure Evi

Evilslyn
Tränkeschlürfer
Beiträge: 21
Registriert: 02.10.2009, 11:16

[Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-20

Beitrag von Evilslyn » 26.10.2009, 10:03

Framier stand in der Mitte des Platzes. Seine Kleidung war zerschlissen und an mehreren Stellen Blut getränkt. Teilweise von seinem Eigenen, welches noch immer aus der Wunde an seinem Bein trat, zum größeren Teil jedoch von dem des Worgen. Die Axt wog schwer in seiner Hand. Sein Bein hatte wieder zu pochen begonnen.
Diesen Kampf hatte er gewonnen, doch seine Berserkerwut hatte seinen Muskeln einen hohen Tribut abverlangt. Langsam kroch Müdigkeit wie Säure in seine Gliedmaßen.
Doch er durfte nicht nachlassen, für Ellenora.
Vor seinem Inneren Augen sah er seine Tochter, wie sie aus tränengefüllten Augen zu ihm aufblickte, bevor sie im Nebel verschwand. Sie war so ein tapferes kleines Mädchen.
Innständig hoffte Framier, dass ihre Flucht in den Wald unbeobachtet geblieben war.
Er frage sich ob er wohl sein Versprechen ihr zu folgen, würde halten können.
Auf jeden Fall, würde er ihr Zeit verschaffen, auch wenn es sein Leben kosten sollte.
Er würde es teuer verkaufen.

Als das Heulen anhob, drehte sich Framier langsam um die eigene Achse.
Sein Herz sank bei dem sich bietenden Anblick.
Auf fast jedem Dach, der den Platz umstehenden Häuser, hatten Worgen Position bezogen.
Davon ausgenommen waren nur jene zwei Häuser die mittlerweile komplett in Flammen standen, und die Nacht in einen unheimlichen Schein tauchten.
Framier schloss die Augen und sprach ein kurzes Stoßgebet.
Dann öffnete er die Augen und straffte sich. Einige der Worgen waren von den Dächern gesprungen und kamen langsam näher.
Sollte sie nur kommen. Er war bereit.
Für Lohenscheit.
Für Edina.
Für Ellenora.

Arled war bester Laune an diesem Morgen. Müde zwar, denn er hatte die gesamte Nacht auf dem Dach zugebracht, aber glücklich. Heute war wieder Vollmondnacht.
Sein Vater hatte ihn am Morgen zur Seite genommen, und für die Nacht ein besonderes Vorhaben angekündigt. Arled wusste zwar nicht worum es genau ging, doch doch er nahm an, dass sein Vater ihm das Jagen beibringen wollte.
Wenn seine Prognosen stimmten, müsste Arled die erste Verwandlung bevorstehen. Zumindest die erste an welche er sich am nächsten Morgen auch würde erinnern können.
Arled war mehr als gespannt. Und außerdem hegte er insgeheim die Hoffnung „Sie“ wiederzusehen.
Abgesehen von der Vorfreude auf ihr Erscheinen, gab es auch einige Fragen, die er mit ihr klären musste.

Die Stunden des Tages verstrichen quälend langsam. Arled machte einen ausgiebigen Spaziergang durch die Felder und Wiesen der Umgebung. Statte den Tieren eine Besuch ab. Spielte ein wenig am nahegelegenen Bachlauf. Doch egal was er tat, vor seinem Inneren Auge sah er immer wieder die Scheibe des Mondes, und das Gesicht der Frau in weiß. Nichts vermochte ihn zu zerstreuen, so wie es früher der Fall gewesen war.
Als er am frühen Nachmittag nach Hause kam, teilte ihm sein Vater mit, dass sie bald aufbrechen würden und er sich nicht mehr so weit vom Haus entfernen sollte.
Arled war es nur recht. Wäre es nach ihm gegangen, er währe längst auf dem Weg gewesen.

„Na, wie fühlst du dich heute?“ Flugur brach das Schweigen als erstes, welches seit ihrem Aufbruch geherrscht hatte.
„Naja, ich bin schon aufgeregt. Aber Angst habe ich keine. Ich versuche mir vorzustellen wie es wohl sein wird. Bisher habe ich die Verwandlung ja noch nicht bewusst erlebt. Tut es eigentlich weh?“ Obgleich Arled versuchte den starken Mann zu geben, kannte Flugur seinen Sohn gut genug um die Beunruhigung in der Stimme zu vernehmen.
„Nun ja, es sind nicht wirklich Schmerzen. Aber es ist, wie soll ich sagen, gewöhnungsbedürftig.“
„Gewöhnungsbedürftig, aha.“ Arled zog seine Augenbrauen nach oben, dann nickte er knapp und versank wieder in Gedanken.
Flugur konnte nur zu gut verstehen was nun in ihm vorging. Andererseits hatte Arled wenigstens ihn an seiner Seite, Flugur war allein auf sich gestellt gewesen, und er erinnerte sich nur sehr ungern zurück.

Nachdem sie circa eine halbe Stunde gelaufen waren, stellte Arled fest das sein Vater offenbar nicht den Weg einschlug der zu der kleinen Lichtung führte, auf der sie die letzte Vollmondnacht verbracht hatten. Auf seine Frage hin, wo sie denn hingingen, blieb sein Vater vage. Er sagte nur, dass er für diese Nacht eine bessere Stelle gefunden habe.

Nachdem sie noch fast eine Stunde unterwegs waren erreichten sie eine kleine Talsenke durch die ein Bach floss. Eingebettet zwischen sanften Hügeln, war das Tal mit üppiger Vegetation bewachsen.
Sie schlugen ihr Lager direkt am Bach auf.
Die Bäume, die ein kleines Wäldchen auf dem Hügel hinter ihnen bildeten, reichten hier fast bis an den Bach herunter und schufen einen Windgeschützten bereich.
Schon bald prasselte sein kleines Lagerfeuer. Arled hatte beim Holzsammeln einen Stock gefunden, den er wie so oft mit seinem Schnitzmesser bearbeitet, während sein Vater aus einem langen dünnen Ast und eine mitgebrachten Schnur eine Angel bastelte.

„Glaubst du es gibt eine Chance auf Heilung für uns?“ Arled schaut überrascht auf.
„Woher soll ich denn das wissen?“, fragte Arled. „Ich weis nicht mal ob es eine Krankheit ist. Immerhin sterben wir doch nicht daran. Es ist eher eine Art Fluch würde ich sagen. Wenigstens ist es nichts Schlimmes.“
„Na du bist gut. Wieso ist das nicht schlimmes?“ Flugur sah ihn verblüfft an.
„Nun ja, ich sehe das so. Wir werden stärker, schneller, bekommen schärfere Sinne. So laufen normal doch keine Krankheiten ab. Und die Nachteile, wie die ungezügelte Wut, bekommt man mit der Zeit ja auch in den Griff wie du sagst“
Über Flugurs Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Die Einfachheit und Unbeschwertheit mit der Arled das Thema behandelte war erfrischend.
Welch gewaltige Willensstärke erforderlich war, den Trieben in seiner Worgenform nicht nachzugeben, würde er noch früh genug erfahren.
Und dieser Moment nahte unaufhaltsam.
Der Himmel war bereits von der der Untergebenden Sonne in blasses Rosa getaucht.
„Wir werden sehn. Wir werden sehn.“ Murmelte er mehr zu sich selbst als an Arled.

Evilslyn
Tränkeschlürfer
Beiträge: 21
Registriert: 02.10.2009, 11:16

Re: [Geschichte] Aus den Augen... Kapitel 1-20

Beitrag von Evilslyn » 17.12.2009, 14:26

Da ich zZ. nicht gescheit zum Posten kommen, hier mal den Link bis zum derzeitig aktuellen Stand der Geschichte.

Http://hexadezimala.blog.de

Antworten